Herrenmantel Thomas Fathing
Photo: Thomas Farthing

Vintage Herrenmäntel

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Herren, die sich im klassischen Vintage-Stil kleiden, also etwas eleganter mit Anzug und allem was dazu gehört, stehen oft vor dem Problem, den passenden Wintermantel zu finden. Zu einem klassischen Anzug im Stile der 1920er bis 1950er-Jahre trägt man nun mal einen längeren Mantel, wenn möglich mit breitem Reverse. Heutzutage schwer zu finden!

Alles viel zu kurz

Viele Mäntel, die man heute erwerben kann, sind einfach viel zu kurz. Sie werden auch oft unter dem Titel “Kurzmantel” oder “Parker” angepriesen. Zu einem altmodischen Anzug, vielleicht sogar noch mit Hut, sieht diese zu kurz geratene Oberbekleidung aber äußerst bescheiden aus, um es harmlos auszudrücken. Ein anständiger Mantel sollte daher eine Gesamtlänge von mindestens 100 Zentimeter haben, im britischen Maß entspricht dies ungefähr 40 Zoll. Gemessen wird dieses Maß vom Kragen bis zum unteren Ende des Mantels (Rückenmaß). Ausnahmen bilden hier nur Gehröcke, Jacketts oder sogenannte “Covert Coats”, dessen Name auf den schweren Stoff “Covert” zurückzuführen ist. Diese kürzeren Mäntel wurden vor allem in England zur Jagd getragen.

Bei unserer endlosen Suche nach dementsprechenden Mänteln sind wir freilich fündig geworden und diese Informationen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Vorab sei gesagt, entsprechende Oberbekleidung hat seinen Preis, seien Sie also nicht schockiert. Wir haben aber am Ende noch einen echten Vintage-Leckerbissen für wenig Geld parat.

Raglanmantel aus feinster Wolle

Raglanmantel John Crocket

Ein echter Klassiker ist der Raglanmantel, dessen Merkmal die Ärmelform ist. Die Ärmelkugel ist bis zum Halsloch angeschnitten und deshalb verläuft die Ärmelnaht schräg von der Achsel bis zum Halsausschnitt. John Crocket bietet hier beispielsweise wirklich elegante Teile aus Schurwolle und mit echten Hornknöpfen. Aber auch die oben schon erwähnten etwas kürzeren “Covert Mäntel” mit klassischem Gehschlitz findet man hier.

Klassische Übermäntel aus Harris Tweed

Wiederum im britischen Raum sind wir bei Thomas Farthing fündig geworden. Hier erhält man neben einem Raglanmantel auch klassische “Overcoats” aus Harris Tweed mit breitem Reverse. Freilich ebenfalls erhältlich sind farblich passende Jacketts. 

Etwas günstigere Modelle findet man bei The Platinum Tailor. Allen “Peaky Blinder”-Fans sei gesagt, hier finden Sie einen ähnlichen Mantel mit rotem Innenfutter wie ihn “Thomas Shelby” gern und oft trug: nämlich einen langen, schwarzen Kaschmirwollmantel mit Samtkragen und rotem Innenfutter. Auch einige Modelle mit zwei Knopfreihen und kurzem breiten Revers finden sich in diesem Shop. Ebenfalls angeboten wird der klassische “Trench Coat” in verschiedenen Farben. Er war in den 50er-Jahren sehr beliebt.

Mäntel zum Selbergestalten

Eine Alternative zu all den herkömmlichen Geschäften ist der selbst gestaltete Maßmantel von Hockerty. Hier haben Sie eine Auswahl an verschiedenen Stoffen und individuellen Anpassungsmöglichkeiten. Alle Mäntel können auch mit einem Aufpreis als Langmantel geschneidert werden. Jedoch kann das Längenmaß nicht individuell angegeben werden, die Mäntel fallen aber etwa knielang aus. Hier haben Sie also eine kreative Möglichkeit, sich Ihren ganz persönlichen Mantel nähen zu lassen.

Unser konfigurierter Beispielmantel ist aus grauer Wolle in langer Ausführung mit klassischem breiten Revers. Das Innenfutter wurde individuell ausgewählt,  der Kragen ist mit grauem Filz hinterlegt und oben mit schwarzem Samt überzogen. Auch die Garnfarbe haben wir dem Grauton der Wolle angepasst. Dieses Exemplar kommt damit auf 384,- € und wird nach Ihren Maßen geschneidert. 

Maßmantel Hockety
Beispielmantel von Hockerty

Ein nicht ziviler Vintage-Mantel

Wie versprochen abschließend noch unser kleiner Geheimtipp. Das Militär ist ja schon immer für seine korrekte und klassische Adjustierung bekannt, daher haben wir uns auch hier umgesehen und dabei eine tolle Möglichkeit entdeckt. Uniformen der NVA, also der Nationalen Volksarmee, die zwischen 1956 und 1990 die Streitmächte der DDR darstellten, sind noch sehr leicht und besonders günstig zu bekommen. Sie sind natürlich gebraucht, damit also echt Vintage und je nach Modell auch wirklich noch aus den 50er oder 60er-Jahren. Hier gab es verschiedene Modelle. Leichte Sommermäntel, dicke Wintermäntel, Marinemäntel und auch extra Regenmäntel.

Militärmäntel sind aus festem Stoff, meist sehr lang mit hohem Gehschlitz. Nur farblich unterscheiden sie sich ein wenig von den uns bekannten zivilen Farben. Dies tut aber nichts zur Sache, sollte hier nur erwähnt werden. Auch in der Größenauswahl stehen viel mehr Optionen zur Verfügung als wir Zivilpersonen das kennen. Längenangaben, Schulterbreiten, Größen für untersetzte Personen oder für extrem grossgewachsene Herrschaften. Auch für den Bauchumfang gibt es bei Uniformen eine extra Angabe, die je nachdem einige Zentimeter ab oder hinzu zieht. Hier ist also für jede Statur etwas dabei. 

Auf NVA-Uniformen finden Sie eine gute Auswahl an Uniformteilen der Nationalen Volksarmee. Da es sich allerdings um gebrauchte Kleidungsstücke handelt, variiert der Lagerbestand und natürlich kann nicht immer jede Größe geliefert werden. Hier muss man sich einfach in Geduld üben. 

Quellennachweise: john-crocket.de; thomasfarthing.co.uk; platinumtailor.co.uk; hockerty.de; nva-uniformen.de

Andrew Grimes

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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