Küche

Brotsuppe, Erdäpfelschmarrn und Bröselnudeln

Da sind sie nun, the Roaring 20ies, die brüllenden 20er-Jahre. Mit vielen freudigen Erwartungen herzlich willkommen geheißen, waren sie anfangs ganz zahm. Doch dann haben sie ihrem Namen alle Ehre gemacht und tatsächlich gebrüllt. Wir alle wissen den Namen der Krankheit, die uns ins Gesicht geschrien wird. Wir alle kennen die Auswirkungen und Folgen dieser Krankheit.

Und wir sitzen still, wir halten inne, sind manchmal gelähmt von einem Gefühl der Hilflosigkeit, das wir so noch nie erlebt haben. Alles ist anders. Alles ist ungewiss.

Jede Alltäglichkeit will nun gut überlegt werden. Wieviel Geld kann ich ausgeben? Welche Lebensmittel brauche ich für eine Woche, reichen meine Medikamente noch, wird wohl alles vorrätig sein, was ich brauche?  Wir stehen vor der Herausforderung, die einfachsten, banalsten Dinge ohne darauf vorbereitet zu sein, planen zu müssen. Wir stehen auch vor der Herausforderung, auf vieles verzichten zu müssen. 

Wir müssen erst lernen, mit dieser neuen Situation umzugehen. Unsere Großeltern, oft sogar  unsere Eltern, sind zu einer Zeit geboren und aufgewachsen, die noch viel schwieriger war als unsere derzeitige Situation. Und sie waren Meister im Improvisieren! Ganz ohne Globalisierung, Digitalisierung und Hochtechnologie. Ganz egal in welchem Lebensbereich, sie passten sich an und machten das Beste daraus. Und damit leite ich jetzt wenig elegant, dafür aber umso schwungvoller über in einen der wichtigsten und genußvollsten Bereiche unseres Lebens, dem leiblichen Wohl.

Essen und trinken hält Leib´ und Seel´ z´samm!

Sind Sie früher auch oft bei Oma oder Mama in der Küche gesessen? Haben  Schulaufgaben gemacht (oder auch nur so getan), nebenbei aus Schüsseln genascht, vielleicht sogar Radio gehört und lauthals mitgesungen? Haben Sie gar mitgeholfen beim Kochen und Backen? Kennen Sie noch diese alten Sparherde? Erinnern Sie sich  an die köstlichen Küchendüfte? Und wie gut alles immer geschmeckt hat!? 

Viele Fragen! Graben Sie in Ihren Erinnerungen, liebe Leserinnen und Leser. Vielleicht ergeht es Ihnen wie mir und es wird Ihnen plötzlich klar, dass auch das einfachste Gericht so wunderbar geschmeckt hat, weil es nicht alles und jedes im Überfluss gab. 

Warum nicht diese schwierige Zeit nutzen, um  nach alten Rezepten zu kochen oder diese wieder zu kochen? Machen Sie doch eine kleine kulinarische Nostalgie-Reise, um die Zeit der Ungewissheit leichter (im Sinne von unbeschwerter – ich übernehme keinerlei Haftung für etwaige Gewichtszunahmen!)  zu überstehen. Dazu müssen Sie auch nicht jeden Tag in den Supermarkt und keine Lebensmittel werden mehr verschwendet. 

Abwarten und … Brotsuppe löffeln

Einfache Brotsuppe (4 Portionen)

 4-5 Scheiben dunkles, trockenes Brot, 1-2 Zwiebeln, etwas Fett (Öl, Margarine, Butter), 1 Liter Suppe (selbst gekocht oder Suppenwürfel) 

Zuerst die Suppe zubereiten und warm halten. Zwiebel fein hacken, Brot in beliebig große Stücke würfeln. In einer Pfanne das Fett erhitzen, die Zwiebeln darin hell anschwitzen, dann die Brotwürfel zugeben und bis zum gewünschten Bräunegrad ebenfalls anbraten. Zwiebel und Brotwürfel auf Teller verteilen, Suppe eventuell noch abschmecken, nochmals erhitzen und über  das Zwiebel-Brot-Gemisch gießen. 

Brotsuppe für Feinschmecker

Wem dies zu spartanisch ist, darf gern noch eine Handvoll Speckwürfel mitrösten oder die Suppe mit Kräutern, wie zum Beispiel Schnittlauch oder Petersilie, verfeinern. 

Ein großer Erdäpfel, der in der Suppe weichgekocht und dann mit einer Gabel etwas zerdrückt wird, verleiht ihr mehr Gehalt und Sämigkeit. 

Und wer gar eine selbstgemachte Fleisch- oder Gemüsesuppe zubereitet hat, verwendet Gemüse und/oder Fleisch kleingeschnitten als zusätzliche Suppeneinlage.

Jetzt hamma den Schmarrn! Mit oder ohne Salat?

Einfacher Erdäpfelschmarrn (4 Portionen)

4 – 5 große Erdäpfel, 1-2 Zwiebeln, 2 Eßlöffel Fett (Öl, Margarine, Butter), Salz, Pfeffer, Wasser 

Häuptlsalat und Marinade nach Belieben 

Die Erdäpfel in Salzwasser weich kochen (ob Sie diese vor oder nach dem Kochvorgang schälen, überlasse ich Ihrer persönlichen Vorliebe). Erdäpfel abseihen, das Fett in einer großen Pfanne erhitzen und die grob geschnittenen Zwiebeln darin anbraten. Gekochte Erdäpfel dazugeben, diese mit einer Gabel oder einem Erdäpfelstampfer grob zerdrücken und unter ständigem Wenden knusprig goldbraun anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen. Auf Teller verteilen, garniert wird mit Liebe.

Salat waschen, zerpflücken und gut abtropfen lassen. Die einfachste Marinade besteht aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker. Ihrer Phantasie sind hier – je nach Salat und Vorrat – keine Grenzen gesetzt.

Erdäpfelschmarrn für Feinschmecker

Für die Feinspitze unter Ihnen darf gern noch mit ein wenig geriebener Muskatnuss verfeinert werden. Auch goldbraun gebratene Zwiebelringe oder Speckwürfelchen als Extra-Beilage lassen den Schmarrn zum Gaumenschmaus werden. Und wer gar nicht anders kann und außerdem in der glücklichen Lage ist, ein bis zwei Knackwürste gebunkert zu haben, brät oder kocht sich diese noch dazu. Übrigens lassen sich auch Wurstreste gut anbraten und unter den Schmarrn mischen!

Heut gibt`s noch Brösl!

Einfache Bröselnudeln (süss) (4 Portionen)

300 – 400 g Bandnudeln (wahlweise Fleckerl, Hörnchen etc.), 200 bis 300 g Semmelbrösel (gekauft oder aus altbackenen Semmeln selbst gerieben), ca. 3 Eßlöffel Butter oder Margarine, Staubzucker nach Belieben

Die Nudeln-Fleckerl-Hörnchen in Salzwasser bissfest kochen und abseihen. In einer großen Pfanne Butter oder Margarine erhitzen und die Semmelbrösel darin unter strenger Beobachtung und ständigem Rühren goldbraun anrösten, mit den Nudeln vermischen und noch einmal kurz erhitzen. Auf Teller verteilen und mit Staubzucker bestreuen.

Bröselnudeln für Feinschmecker

Verfeinern und geschmacklich leicht abwandeln kann man Bröselnudeln durch Mischen des Staubzuckers mit Zimt oder gesüsstem Kakaopulver.

Soweit es mir aber aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben ist, unterscheiden sich Feinschmecker-Bröselnudeln sonst nur durch die Kompottbeilagen. Als da wären: Apfelkompott, Zwetschkenkompott, Marillenkompott, Beerenkompott, Erdbeerkompott … ach, Sie kennen die alle …? Dann wäre noch Apfelmus eine Variante. Sehen Sie einfach in Ihrer Vorratskammer nach. Als wahrer Gourmet haben Sie sicher für „Notzeiten“ vorgesorgt.

Dies ist natürlich nur ein kleiner Auszug aus „Omas Küche“ und aus meinen persönlichen Erinnerungen. Es soll eine Anregung sein, sich auch beim Kochen auf damals zu besinnen. Jetzt haben wir Zeit dazu. Die Ausrede “das ist zu zeitaufwendig, das koch ich nicht” ist nun mehr als fadenscheinig. Ich schreibe dies mit einem Augenzwinkern, da ich persönlich ganz sicher nicht zu den passionierten und geduldigen Köchinnen gehöre. Aber es macht Spaß, selbst etwas “zusammenzubrauen”, zu experimentieren. Und es gibt soviele einfache Rezepte, vor allem für die sogenannte Reste-Küche. Sie werden sicher da und dort fündig. Und wie ein altes Sprichwort sagt: Not macht erfinderisch.

In diesem Sinne, kochen Sie sich nostalgisch-kreativ durch diese schwierige Zeit. 

Guten Appetit! 

Madam Maxima

Madame Maxima wurde 1958 in Gars am Kamp, Niederösterreich, geboren und lebt seit 1976 in ihrer Wahlheimat Wien. Als Tochter und Enkelin zweier Schneidermeisterinnen war Mode für sie immer präsent und von grossem Interesse. Die unverbesserliche Nostalgikerin mit Hang zur Sentimentalität bringt hier ihr Wissen über die verschiedenen Lebensstile ab den 60er-Jahren mit ein, abgerundet mit einem Schuss persönlicher Erinnerungen.

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