Wer kennt es nicht, das berühmte Chanel-Kostüm! Für viele Damen ist es bis heute der Inbegriff der Eleganz mit einem Hauch Pariser Chic. Und das, obwohl dieses Kleidungsstück die „Nonchalance par excellence“ – also die Unbekümmertheit und Ungezwungenheit schlechthin – verkörpert.

Im Gegensatz zu den in den 50er-Jahren favorisierten hautengen Oberteilen mit atemberaubender Wespentaille und schwingenden, weiten Petticoat-Röcken, bestand und besteht das klassische Chanel-Kostüm aus einer kurzen, nur wenig taillierten, kastenförmigen Jacke und einem knielangen, leicht ausgestellten Rock. An Jacke und Rock befanden sich auch unsichtbare Taschen,  für beispielsweise Zigaretten. Geschickt versteckte Falten ermöglichten mehr Bewegungsfreiheit.

Ich habe dem Körper der Frauen seine Freiheit wiedergegeben



Um diese neue Freiheit für die Frau vollends zu begreifen, muss erwähnt werden, dass dieses Kostüm bereits 1925 erstmals entworfen wurde: in einer Zeit, als sich die Frauen von unbequemen Korsetts und hinderlichen, knöchellangen Röcken verabschiedeten.

Dass die Erfindung des Chanel-Kostüms also ein klein wenig zur Emanzipation der Frau beigetragen hat, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Der Grundgedanke der Kostüm-Kreation war es, ein Kleidungsstück zu schaffen, dass sich jedem Anlass anpasst, und als ein Gegenstück zum Herrenanzug angesehen werden kann.

Das Kleidungsstück kann mit verschiedenen Blusen, Accessoires und Schmuck je nach Lust und Laune der Trägerin verändert werden, aber natürlich auch entsprechend dem Anlass eher sportlich oder stilvoll-elegant getragen werden. Begehrtestes Accessoire zum Chanel-Kostüm wird wohl immer die Perlenkette bleiben (und die musste damals und muss bis heute nicht unbedingt echt sein).

Gabrielle „Coco“ Chanel (1883 – 1971)  



Am 5. Februar 1954 eröffnete Gabrielle „Coco“ Chanel ihren Pariser Modesalon und stellte hier ihre 130 Stücke umfassende Kollektion vor, erstmals auch ihr Chanel-Kostüm. Leider nur mit mäßigem Erfolg bei der damaligen Modepresse, denn die Kollektion wurde als altbacken, aus dem vorigen Jahrhundert,  abgetan. Anders sahen dies die Kunden, speziell die amerikanische Kundschaft. Sie nahmen die neue Kostüm-Kollektion mit Begeisterung an und sorgten so dafür, dass das Chanel-Kostüm DAS Standardbekleidungsstück jeder eleganten Frau der 50er- und 60er Jahre wurde.

Berühmte Trägerinnen dieses Kostüms waren – um nur einige zu nennen – Jacky Kennedy, Grace Kelly, Brigitte Bardot, Elizabeth Taylor und Lady Diana.

Charakteristische Merkmale der Chanel-Jacke



Ärmel hoch angesetzt und schmal geschnitten, um ein Verrutschen bei Bewegung zu verhindern  – über die Ärmel fortlaufende Schulternaht – Schulterpolster für eine gerade Silhouette – Säume mit Goldketten benäht/eingenähte vergoldete Bleigewichte für perfekten Sitz –  Borten als Blickfang – je 2 aufgenähte Taschen in Brust- und Hüfthöhe – Futter abgestimmt auf Farbe des Oberstoffes oder der Bluse – wird meist offen getragen, aber auch mit einem Knopf oder einer Kette in Brust- oder Taillenhöhe, einer einreihigen Knopfleiste und auch mit Reißverschluss geschlossen

Die Neu-Erfindung des Chanel-Kostüms



Der deutsche Designer Karl Lagerfeld  übernahm im Jahr 1983 die künstlerische Leitung des Hauses Chanel, zuerst die Haute-Couture Abteilung, später auch die Pret-a-porter-Abteilung.

Er ließ seiner Kreativität beim Chanel-Kostüm freien Lauf, veränderte Farben, Stoffe, Längen und Accessoires. Er war es auch, der die klassischen Borten durch Fransen ersetzte.

Lagerfeld wird nachgesagt, dass er das Chanel-Kostüm neu erfunden hätte. Mit Verlaub, da bin ich anderer Meinung. Er hat es verändert, der Zeit angepasst. Kurz gesagt, er hat es nachgeahmt. Und das wäre selbst für Madame Chanel kein Problem gewesen, denn sie war erfreut über Kopien ihrer Kreation und hat dieser Reklame ausdrücklich zugestimmt.

Au revoir, liebe Leser und Leserinnen, bis zum nächsten Mal beim “kleinen Schwarzen”!

Quellennachweise:  biography.com; britannica.com; dw.com; 
wikipedia.org
Rubriken:Damenmode Mode

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.