Füße in Ketten

Österreich ist frei?

Am 15. Mai 1955 verkündete der damalige Außenminister Leopold Figl die Worte “Österreich ist frei.”, die für viele nachfolgende Generationen prägend waren. Und bis heute haben sich diese bewegenden Worte in die Gehirne der Menschen eingebrannt. Es muss damals wohl der großartigste Tag seit langem gewesen sein – Jubelstimmung und fröhliche Gesichter beim Oberen Belvedere. 

Doch wollen wir hier auch gleich die überlieferte Legende berichtigen. Leopold Figl rief diese Worte nicht, wie vielerorts behauptet, vom Balkon des Schlosses Belvedere. Diese Worte fielen im Marmorsaal, bevor er und die Außenminister der vier Alliierten den Vertrag am Balkon präsentierten. Seine damalige Rede hatte nachfolgenden Wortlaut:

"Und es zeigt die große Tradition der österreichischen Handwerkskunst, dass dieselbe Firma, die bereits die Verträge des Wiener Kongresses 1815 gebunden hat, auch heute dieses neue Vertragswerk handwerklich ausgestaltet hat. Mit dem Dank an den Allmächtigen wollen wir die Unterschrift setzen und mit Freude rufen wir aus: Österreich ist frei!"

Ist Österreich noch frei?

Nun, weit 60 Jahre nach diesem historischen Ereignis, stellte man sich mancherorts die Frage, ob denn Österreich aktuell noch frei ist. In Anbetracht der vorherrschenden Pandemie und den unzähligen neuen Gesetzen, Novellen, Verordnungen und Maßnahmen unserer Regierung, fühlen sich Frau und Herr Österreicher nicht mehr ganz so frei wie noch vor einigen Monaten. Gerade seit Anfang des Jahres 2021 merkt man den steigenden Unmut und die vermehrte Ungehorsamkeit der Bevölkerung. Hier darf man dem Volke allerdings keine Schuld zuweisen, auch wenn unserer verehrter Herr Bundeskanzler Sebastian Kurz gerne die Schuld bei anderen sucht. In diesem Falle darf er gefälligst bei sich selbst nach der Schuld suchen. Und er wird diese auch ebenda finden! 

Die Hinhalte-Taktik, mit der unsere Regierung das Volk und die Unternehmen an der Nase herumführt, wird nicht mehr ernst genommen. Mal Hü, mal Hott, ja was soll man denn nun für wahr halten? Unternehmen bereiten sich auf eine Wiedereröffnung vor und wenige Tage, nachdem freilich alle Anstrengungen und Kosten von den Unternehmern dafür getätigt wurden, entscheidet man doch wieder anders. Abgesehen davon hat der Verfassungsgerichtshof über viele vorherige Beschränkungen geurteilt und im letzten Satz des Textes auch abermals vermerkt, dass diese Maßnahmen nicht mehr zum Einsatz kommen dürfen. Tja, gedruckte Tinte auf einem Blatt Papier, das aber offensichtlich niemanden interessiert. 

Ein Theaterstück aus dem Leben

Warum wundert man sich dann ob der genannten Tatsachen, wenn das Volk langsam unruhig wird und den Glauben an die Regierung und an die Pandemie verliert? Warum versuchen dann die Verantwortlichen, dem Volke für ihr eigenes Unvermögen den schwarzen Peter zuzuschieben? Ich habe gelernt, dass Männer mit Rückgrat zu ihren Taten stehen und sich gegebenenfalls auch Schuld eingestehen können. Offensichtlich besteht unsere Regierung aus Weichtieren. 

Und ganz unbedacht wird dieses Theaterstück weitergeführt. Sperrbezirke werden ins Leben gerufen, Kontrollen werden durchgeführt, Menschen werden gebrandmarkt, indem man sie in Getestete und Nichtgetestete einteilt. Ich erinnere mich da dumpf an ein schreckliches geschichtliches Ereignis zwischen den Jahren 1938 und 1945. Helfen Sie mir auf die Sprünge, geschätzter Leser, aber gab es da nicht ähnliche Vorgehensweisen? Glaubte da nicht auch die breite Masse an etwas, was sich später als höchst grauenvoll entpuppte? Naja, sehen wir davon ab, wir wollen hier auch gar keinen Vergleich anstellen. War bloß so ein Gedanke.

Wovor fürchten wir uns eigentlich?

Bei all dieser negativen Entwicklung stellt sich letztendlich die Frage, wovor wir uns so schrecklich fürchten? Millionen Bakterien und Viren samt ihren Mutationen bevölkern die Welt und jährlich erkranken Millionen Menschen an irgendeiner Krankheit. Unzählige finden dabei den Tod. Natürlich ist dies alles tragisch und schmerzlich, niemand möchte davon betroffen sein, aber wollen wir uns von nun an bis ans Ende unserer Tage verstecken? Maßnahmen befolgen, die bisher recht bescheidene Erfolge gebracht haben?  Wenn man sein Leben nicht mehr nach eigenen Vorstellungen leben darf, wenn man nicht mehr frei entscheiden darf, könnte man sich das Leben auch gleich selbst nehmen, denn welchen Sinn würde ein Leben, ohne es “in Freiheit” gelebt zu haben, denn machen? 

Vom Tag unserer Geburt an gibt es eine Konstante in unserem Leben, die nichts und niemand für immer verhindern kann: unseren eigenen Tod. Wir wissen um diese Tatsache, sobald wir alt genug sind, abstrakte Begriffe zu begreifen. Und wir leben damit. Es steht uns frei, unser Leben so zu gestalten, dass ein möglichst geringes Risiko für Erkrankungen und Unfälle besteht. Es steht uns frei, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es steht uns frei, die verordneten Medikamente, Untersuchungen, Therapien, Impfungen oder Operationen abzulehnen. Oder sollte ich besser schreiben: es stand uns einmal frei? 

Und warum fürchten wir dann den Tod, wenn wir uns das Leben selbst verbieten oder es uns aus immer weniger klar nachvollziehbaren Gründen verboten wird? Dies kommt einem seelischen Tod gleich. Behandlungen oder nicht sehr dringende Operationen werden verschoben, damit genug Kapazität in den Krankenhäusern vorhanden ist für “die Pandemie”. Zählt denn eine Krankheit mehr als die andre? Gibt es denn nur noch diese eine schreckliche Viruserkrankung, bei der der Tod um jeden Preis verhindert werden muss? Auch wenn diese Maßnahmen, die nur zum Teil gerechtfertigt sind, sehr viele Menschen in Verunsicherung, Vereinsamung, Verzweiflung, Angst, Depression, finanziellen Ruin stürzt? Für immer mehr Menschen, auch für Kinder und Jugendliche, scheint der einzige Ausweg aus diesem Leben mit Zwang Suizid zu sein. Sie fürchten nicht mehr den Tod an sich. Sie fürchten ein Leben ohne Perspektiven und unter Zwang, mit starken Einschränkungen des freien Willens, der freien Entscheidung und freien Meinungsäusserung mehr als den Tod.

Das Zahlenspiel  

Abschliessend, weil es zurzeit als modern gilt, berichten wir Ihnen eine Zahl: 2345 Zwetschenkned’l. Machen Sie mit dieser Zahl was auch immer Sie wollen. Glauben Sie es oder nicht. Beweise dafür gibt es keine. Aber bedenken Sie bei Ihrer Analyse, diese Zahl steht hiermit hochoffiziell im Internet. Hat freilich nicht die gleiche Wertigkeit als würde man diese Zahl im Fernsehen preisgeben, aber wenn’s schon im Internet steht, wird’s schon stimmen.

In diesem Sinne, bleiben Sie frei!

Quellennachweise: derstandard.at

Andrew Grimes

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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