Seit jeher schminken sich Menschen die Gesichter, um attraktiver zu wirken. Das Färben der Lippen beispielsweise wird seit Jahrtausenden praktiziert. Erste Beweise dafür lieferten die Sumerer. Schon vor zirka 5000 Jahren bemalten sie ihre Lippen mit zerstoßenen Edelsteinen und giftigem Blei. Auch die Ägypter taten dies und nutzten dafür Käfer, Pflanzen, Jod, Algen und Ocker, um die Farbtöne herzustellen. Gefärbte Lippen galten als Statussymbol und wurden daher von Frauen als auch Männern gleichermaßen getragen.

Hure oder Göttin



Geschminkte Frauen wurden entweder als Huren beschimpft oder als Göttinnen angehimmelt. Die Griechen der Antike beispielsweise haben den Lippenstift mit der Prostitution in Verbindung gebracht. Von den “Damen der Nacht”  wurde verlangt, auffälliges Make-Up zu tragen, um nicht fälschlicherweise mit einer feinen Dame verwechselt zu werden.

Der erste moderne Lippenstift wurde auf der Weltausstellung in Amsterdam von Guerlain im Jahre 1883 vorgestellt. Der umgangssprachlich als “Stylo de Amor” benannte Lippenstift bestand damals aus gefärbtem Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs. Der weder wohlschmeckende noch gut duftende Stift wurde in Seidenpapier gepackt und vorwiegend von Theaterschauspielerinnen und Suffragetten genutzt. Sich damals die Lippen anzumalen galt als sündhaft und war zudem purer Luxus.

Der Durchbruch in den Zwanzigerjahren



Den Durchbruch feierte der Lippenstift mit dem Charleston, als Frauen kurze Röcke und Bubikopf trugen und rauchten. “Bienenstich”-Münder, die typische Lippenform der damaligen Stummfilmstars konnte mit Schablonen auf die Lippen übertragen werden und fand schnell große Beliebtheit. 1923 kam der erste Lippenstift mit Drehtechnik auf den Markt und schon 1928 folgte ein Lippenstift mit Sonnenschutzfaktor. 1935 wurde dann in Deutschland der erste Stift mit Schiebetechnik patentiert.

Während des zweiten Weltkrieges wurde roter Lippenstift (Siegesrot) zum patriotischen Symbol. In den Nachkriegsjahren wurde der Lippenstift durch Marilyn Monroe zum absoluten Glamour-Accessoire und durfte in keiner Handtasche mehr fehlen. In den fünfziger Jahren begannen die Hersteller die Farben an bestehende Nagellackfarben anzupassen, um den Frauen farblich ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten. 1956 wurde dann der erste wischfeste und sehr haltbare Lippenstift “Rouge G de Guerlain“ auf den Markt gebracht.

Weniger ist mehr



In den sechziger Jahren lagen Pastellfarben stark im Trend. Dezentheit war gefragt, Frauen trugen teilweise nur Gloss oder gar keinen Lippenstift. Erst in den siebziger Jahren wurden mit der Disco-Ära schrille Farben wieder modern. Auch Männer trugen zu jener Zeit wieder Lippenstift. Danach folgten kräftige Brauntöne in den Neunzigern und verrückte Neonfarben ab dem Jahr 2000.

Abschließend möchten wir Ihnen noch einen “Ohrwurm” mit auf den Weg geben. Cliff Richard besang quasi den Lippenstift im Jahre 1963 in seinem Song “Rote Lippen soll man küssen”.

Quellennachweis: lippenstiftmuseum.de; silberherzen.de;
Suchworte:
Rubriken:Kosmetik Makeup

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.