Während des ersten Weltkrieges ergab sich durch die Abwesenheit vieler Männer ein Bedarf an Arbeitskräften in der Industrie und Wirtschaft, der von Frauen abgedeckt wurde. Das machte viele Frauen selbstbewusster und trug maßgebend zur Veränderung des Frauenbildes bei. Diese veränderte Selbstwahrnehmung vieler Frauen spiegelte sich aber nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in ihrer Einstellung zur Mode wider. Sie unterlag dem Zeitgeist der Sachlichkeit. Kleidung musste mehreren Ansprüchen gerecht werden. Sie sollte die moderne Frau schmücken, ohne sie in ihrer Bewegungsfreiheit zu beeinträchtigen. Flaches Schuhwerk und auch Hosenanzüge wurden in dieser Zeit salonfähig und symbolisierten die neu empfundene Gleichstellung zwischen Mann und Frau – ebenso wie Kurzhaarfrisuren.

Die neuen Frauen der Zwanziger Jahre

Der Bubikopf ist eine Variante des “Bobs” und war zur damaligen Zeit eine sehr beliebte und verbreitete Haarmode. Das Haar wurde etwa kinnlang und glatt, mit “Pony” oder Seitenscheitel, mit oder ohne Wellen getragen. Auch Sonderformen wie der “Pagenschnitt” oder der “Etonschnitt”, am Hinterkopf kurz wie bei den Herren, waren der letzte Schrei. Die amerikanische Tänzerin Irene Castle soll 1915 die erste Frau gewesen sein, die es gewagt hat, sich einen Bubikopf schneiden zu lassen. Mit ihren internationalen Auftritten verbreitete Castle damit diesen Modetrend in der ganzen Welt.

Im Laufe der Zeit entwickelten die Frauen immer mehr Variationen des Bubikopfs. Eine typische Frisur aus dieser Zeit ist beispielsweise der “Shingled Bob”, ein bubenhafter Schnitt mit einer zu einem V geschnittenenen Nackenpartie. Populär wurde es später auch, die kurzen Haare in “Wasserwellen” zu legen. Der Bubikopf passte sich der Kopfform individuell an, und so stand diese Haarmode mit ihren unzähligen Möglichkeiten fast jeder Frau. Wellen verliehen ein schmales Gesicht und sorgten für mehr Fülle. Breite Gesichter konnten mit einer sehr kurzen Variante des “Bobs” optisch gestreckt werden und wirkten daher länger und schmaler.

Jedoch gab es auch Schattenseiten dieser Haarmode. Viele Frauen weigerten sich damals ihr Haar abzuschneiden, denn es galt sehr lange als Strafe für Frauen, die diese dann als Hure oder Soldatenflittchen brandmarkten. Daher schummelte man und täuschte einen “Faux Bob”, also den “falschen Bob”, vor. Mit Haargummis und Haarnadeln wurde das lange Haar dabei auf Kinnlänge getrimmt.

Der Bubikopf eroberte die Welt

In Europa war es Coco Chanel, die nach dem Krieg in Paris mit einer Kollektion an neuen Pullovern und Hosen ihre ersten Erfolge feierte, wobei sie zugleich den Kurzhaarschnitt für Frauen propagierte. In Deutschland hingegen sorgte Asta Nielsen in der 1921 gedrehten Verfilmung von Shakespeares „Hamlet“ mit der bubenhaften Ponyfrisur für Aufsehen und fand schnell viele Nachahmerinnen. Und so eroberte der Bubikopf die ganze Welt und prägte zukünftige Subkulturen. So war beispielsweise Colleen Moore das Vorbild der “Flapper”, des “Jazz Age” oder der “Roaring Twenties”. Die amerikanische Schauspielerin ließ sich für den 1923 erschienenen Film “Flaming Youth” ihre Haare zu einem Bubikopf frisieren, und damit gelang ihr der Durchbruch. Colleen Moore wurde fortan für den Frauentyp “Flapper” besetzt und damit zu einem der größten Stars der Stummfilmzeit.

Quellennachweis: Vintage Frisuren (ISBN-13:978-3868826692), 
Kubiss.de, Retrochicks.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.