Varieté

Das Varieté – eine glanzvolle Geschichte

//
5 Min. Lesezeit

Das Varieté beziehungsweise das Varietétheater (von franz. “théâtre de variétés”, aus: “théâtre” (Theater) und “variété” (Abwechslung, bunte Vielfalt) < lat. “varietas” = Varietät), ist eine Bühne mit wechselndem Unterhaltungsprogramm für artistische, tänzerische, akrobatische und musikalische Vorstellungen. Die einzelnen Darbietungen, wobei jede für sich eine künstlerisch geschlossene Einheit bildet, formen so eine gemeinsame Veranstaltung. Im britischen Sprachgebrauch ist es unter dem Namen “Music Hall” bekannt und im Amerikanischen heißt es “Vaudeville”. In Österreich entwickelte sich eine Variante des Varietés ohne artistische und akrobatische Einlagen. Es waren die sogenannten “Singspielhallen”, die vor allem in Wien sehr populär waren. Aus diesem Gesangs-, Schauspiel- und Komikbereich entwickelte sich später das weitbekannte österreichische Cabarett. 

Die Geschichte des Varietés

Die Geschichte des Varietés beginnt etwa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese Veranstaltungen, die ja eine Mischung aus Theater und Zirkus waren, fanden ihre Anfänge in Paris. Im alten Paris wurden Einzeldarbietungen schon seinerzeit in öffentlichen Tanzsälen dargeboten. Es waren Artisten und Künstler wie Kraftmenschen, Magier, Löwenbändiger, Akrobaten, Groteskenpantomimen, Elefantendresseure, Abnormitätenschausteller und Ringkämpfer. Es wäre nicht Paris, wenn hier nicht auch Erotik im Spiel wäre, und so fand auch das professionelle Ausziehen hier seine Anfänge. Das wohl bekannteste Etablissement dieser Art war und ist das Pariser Moulin Rouge. Mit der Eröffnung des Moulin Rouge im Jahre 1889 avancierte Paris zur erotischen Hauptstadt Europas.

Das Erfolgsgeheimnis

Es war der “Cancan”, ein Tanz, der damals an Frivolität nicht zu überbieten war. Die Tänzerinnen trugen dabei mehrere Lagen weißer Spitzenröcke, darunter schwarze Strümpfe und Strumpfhalter. Die Tradition verlangt es, dass einige Zentimeter Haut des Beines gezeigt werden. Dieser kleine Streifen Haut wurde zum Inbegriff der Erotik und fand schon bald den Weg in andere Länder und Varietés. Wäscherinnen und auch unzählige Prostituierte verbesserten sich so ihr bescheidenes Honorar, einige ließen dabei sogar die Rüschenunterhosen weg. 

Die Zahl der Bordelle in Paris stieg zu jener Zeit enorm. Auch die damals stattfindende Weltausstellung 1889 in Paris sorgte für internationalen Zustrom. Paris trug so zur Zunahme des Handels mit Sex in ganz Europa bei. Doch stand in vielen Ländern die Gesetzgebung im Weg. 

Weltbekanntes Wiener Varieté

Varietétheater Apollo
Varietétheater Apollo in Wien; Foto: Bildarchiv Austria

Auch im deutschsprachigen Raum erlangte das Varieté große Popularität und es fand ein umfangreicher Austausch an Komikern zwischen den Städten Berlin, Wien und Budapest, das zur Zeit Österreich-Ungarns zu etwa vierzig Prozent deutschsprachig war, statt. Als europaweit beachtete und weltweit bekannte Varieté-Bühne Wiens gilt das Apollo. Heute als Kino mit zwölf Sälen bekannt, übertrumpfte es nach der Eröffnung im Jahre 1904 bald schon andere angesehene Etablissements wie das Ronacher. Früher bestand es aus nur einem einzigen sehr großen Saal, in der Mitte befand sich die Bühne. Auf diesen “Brettern, die die Welt bedeuten” spielten Größen wie Grete Wiesenthal, Charly Chaplin oder Mata Hari. Die Hochblüte des Varietés in Wien erstreckte sich bis in die Zeit des ersten Weltkrieges. Danach folgte die Weltwirtschaftskrise und so schloß das Apollo-Varieté 1928 seine Pforten. Es wurde danach in das heute bekannte Kino umgebaut. Auch das Ronacher hatte zu jener Zeit schwer zu kämpfen. 1928 kaufte der damalige österreichische Rundfunk, die RAVAG, Teile des Varieté Ronacher und nutzte diese für sich. Erst im Jahre 1939 wurde es wieder zum Varietétheater umfunktioniert.

In der Nachkriegszeit gab es weltweit viele Wiederbelebungsversuche, die jedoch alle fehlschlugen. Durch die neuen Kinos und die Entwicklung des Fernsehgerätes war diese Art der Kunst nicht mehr sonderlich gefragt. Das Varietésterben war also nicht mehr aufzuhalten. In Österreich jedoch hielt sich das Kabarett bis heute und erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit.

Quellennachweise: wien.gv.at: duden.de; geschichtewiki.wien.gv.at

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

Schreiben Sie einen Kommentar

Your email address will not be published.

Apothekenfläschchen
Letzter Artikel

Dr. Nostalgikers Apothekerfläschchen [DIY]

Krankenhaus
Nächster Artikel

Gemeinsam durch die Corona-Krise

Aktuelles aus Unterhaltung