Elvis Presley oder auch Buddy Holly haben die Röcke in den fünfziger Jahren so richtig fliegen lassen. Ein Unterrock, der sogenannte “Petticoat”, durfte dabei natürlich niemals fehlen. Allerdings ist der Petticoat keine Erfindung aus jenen Jahren, den gab es schon viel früher.

400 Jahre Petticoat



Der Petticoat dient schon seit dem 16. Jahrhundert als eine Art Unterkleid, die die Formgebung der Kleider und Röcke unterstützen soll. Der Name Petticoat leitet sich aus dem französischen Wort “petit” für klein und dem englischen Wort “coat” für Mantel ab. Der Petticoat sorgte durch seine kuppelartige Form für eine besonders weibliche Silhouette. Schmale Taille und breite Hüften.

Auch in den darauffolgenden Jahrhunderten war er weiterhin der letzte Schrei und wurde teilweise gar nicht mehr zur Gänze unter den Kleidern versteckt. Die Unterröcke wurden immer aufwendiger und manchmal sogar reichlich verziert. Später begann man den Petticoat abzusteppen und ihn noch praktischer und zugleich wärmender zu machen. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der knöchellange Petticoat dann durch die Krinoline abgelöst.

Zum Sterben schön



Die  Krinoline, ein Reifrock, erlebte kurzzeitig eine Renaissance und wurde damals zur populären Modeerscheinung. Das sperrige Kleidungsstück löste die vielen Schichten aus Unterröcken ab. Zusammen mit einem Korsett formte die Krinoline eine äußerst weibliche Figur. Die Kaiserin Elisabeth von Österreich trug stets einen Reifrock.

Diese Gestelle wurden aber vielen Frauen zum Verhängnis. Im Jahre 1861 ereignete sich ein tödlicher Unfall am Continental Theater in Philadelphia. Die “Daily Dispatch” schreibt in der Ausgabe vom 16. September 1861 über diesen schrecklichen Unfall. Cecilia Gale stand hinter der Bühne auf einem Sofa, in ein voluminöses Kleid gezwängt und kam dabei in die Flamme einer Gaslampe.

Schockiert mussten Zuschauer und Kollegen zusehen, wie Cecilia Gale lichterloh brannte. Niemand schaffte es, ihr den sperrigen Rock vom Leibe zu reissen. Helfende Tänzerinnen fingen dabei ebenfalls Feuer, einige sprangen in Panik auf die Straße hinaus, andere stürzten sich die Treppen hinunter. Insgesamt starben bei diesem Unfall neun junge Frauen, dutzende Personen wurden verletzt, nur weil sie sich nicht aus den brennenden Kleidern befreien konnten. In zwei Jahrzehnten sollen an die 3000 Frauen gestorben sein, weil sie sich ebenfalls nicht aus den brennenden Kleidern befreien konnten.

Dior belebte den Petticoat neuerlich



Erst Ende der vierziger Jahre feierte der klassische Petticoat sein Comeback. Christian Dior war es, der ihn mit seiner neuen Modenkollektion “New Look” neues Leben einhauchte. Um die von Dior ins Leben gerufene “Blütenkelchlinie” zu erhalten, war der Petticoat genau das Richtige. Fortan war der Petticoat wieder fester Bestandteil in der Damenmode und wurde in den fünfziger Jahren auch von der aufkeimenden Rock`n`Roll-Szene sehr begrüßt. Er eignete sich hervorragend für diesen schwungvollen Tanzstil.

Ende der sechziger Jahre verlor der Petticoat dann zunehmend an Bedeutung und verschwand mit dem Aufkommen von Miniröcken gänzlich von der Bildfläche. Heute sieht man den Petticoat nur noch sehr vereinzelt und in einschlägigen Szenen.

Quellennachweis: chroniclingamerica.loc.gov; spiegel.de; 
Rubriken:Damenmode Mode

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