Feine Dame
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Die Geschichte des Korsetts

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Um das infame Korsett ranken sich ja bekanntlich viele Mythen und auch so manch Gruselgeschichte wird erzählt. Einige ordnen das Korsett als mittelalterliches Folterinstrument ein, das Frauen in Ohnmacht sinken läßt, ja sogar töten könnte. Andere sehen es vielmehr in der Fetisch- und Erotikszene, und so entstanden viele Meinungen und Gerüchte über dieses Kleidungsstück. Ja sogar populärwissenschaftliche Dokumentationen führen diese Mythen weiter an, und auch in der Romanwelt leiden Frauen unter dem Korsett. 

Alles gar nicht wahr

All diese Geschichten und Gerüchte entsprechen jedoch nicht unbedingt der Wahrheit. Woher diese Fehleinschätzungen kommen, kann man schon erklären: zeitgenössische und auch moderne Medien stellen das Korsett einfach falsch dar. Die Rede ist dabei von schmerzhaften Mini-Taillen und von Gruselgeschichten über gebrochene Rippen. In Wahrheit handelt es sich bei einem Korsett um ein Produkt, das den Oberkörper stützen sollte. Es galt als Unterwäsche für Damen. Später erst entstand dadurch eine Mode, die den weiblichen Körper formen sollte. Denn anders als bei einer Corsage wird das Korsett meist durch Metallstäbe gestützt und auch die  Schnürriemen sind dicker. Ein Korsett bietet also eine hohe Stabilität und Festigkeit ganz im Sinne der Erfindung. Eine Corsage verfügt meist über keine Stützstäbe und wenn, dann sind diese nur aus ganz dünnem Kunststoff. Eine Corsage soll den weiblichen Körper nur betonen, nicht aber stützen oder gar formen. 

Die Anfänge in der frühen Neuzeit

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Das Korsett ist sicherlich keine Erfindung aus dem Mittelalter, auch wenn dies so mancher meinen mag. Eher entstand das Korsett in der frühen Neuzeit, irgendwann im 16. Jahrhundert. Genaueres konnte bis heute nicht herausgefunden werden. Schon zuvor gab es jedoch das verstärkte Mieder, welches ebenso den Oberkörper stützen sollte und die modische Linie dieser Epoche betonte. Die “Schnürbrust” setzt als separates Kleidungsstück fort. Damen, vor allem jene mit größerem Busen, wissen wie unangenehm es ist, ungestützt herumzulaufen. Natürlich war das auch den Damen dieser Epoche eine Last und sohin suchte man einen Weg, um Brust und Rücken zu stützen. 

Das viktorianische Korsett ist wohl das berühmteste seiner Art. Die frühe Schnürbrust war zylinderförmig, wurde meist vorne geschnürt und verfügte zusätzlich über Schulterträger. Als Stütze kamen oftmals Walknochen zum Einsatz. Bereits im 17. Jahrhundert gehörte dieses Kleidungsstück zur Garderobe jeder wohlhabenden Dame. Erst gegen 1800, als die Mode auf natürliche Formen setzte, wurde die Schnürbrust weniger getragen. Verschwunden ist sie jedoch vorerst noch nicht gänzlich.

Die Romantik (1795 – 1835)

Mit der Romantik besann man sich wieder auf das alte Ideal: schmale Taille und weite Röcke. Hier entstand wohl der eigentliche Prototyp des heutigen Korsetts. Das neue Korsett wurde nun am Rücken geschnürt und demzufolge war es Frauen nicht möglich, dieses Kleidungsstück selbst anzulegen und zu schnüren. Nur wohlhabende Damen, die sich eine Zofe leisten konnten, ließen sich nach wie vor bekleiden. Es galt damals noch als Statussymbol sich nicht selbst ankleiden zu müssen.

Frauen des frühen 19. Jahrhunderts schnürten ihre Taillen kaum noch ein, denn durch weite Röcke und große Ärmel erlangte man den gewünschten Kontrast zur schmalen Taille bereits. Vielmehr wurde das Korsett getragen, um den Oberkörper zu stützen und eine gerade Haltung zu bewahren. Im Verlauf des Jahrhunderts verschwanden dann die breiten Schultern aus der damaligen Modewelt und man legte wieder Wert auf enganliegende Ärmel. Hier wurde dann tatsächlich auf die Reduzierung der Taille mittels Korsett zurückgegriffen. Jedoch schnürten die Damen die Taille langsam und stetig, also permanent in kleinen Schritten und somit völlig schmerzlos. 

Tight-Lacing

Es stimmt also sehr wohl, dass im Fin de Siècle das sogenannte “Tight-Lacing” sehr in Mode kam, wie das besonders enge Schnüren der Taille genannt wird.. Doch wird kaum eine Frau die Taille sofort auf eine 40cm-Taille geschnürt haben, so wie die berühmte Tänzerin Polaire sie gehabt haben soll. Es ist zudem zu bezweifeln, dass damalige Bilder von diversen viktorianischen Damen nicht doch durch Retusche nachbearbeitet wurden. Denn auch dies gab es damals schon.

Die meisten Trägerinnen erreichten mit einem Korsett wohl eine Reduzierung von rund fünf Zentimeter Umfang. Die bekannte “Stundenglasform” erreicht man eben auch schon ohne sehr feste Schnürung. Damen, die je ein Korsett getragen haben, wissen das. Dazu kam noch die Erfindung der “Hüftpolster”, die zusätzlichen Kontrast zur Taille schafften. Ein Korsett war und ist also ein gewöhnliches Kleidungsstück und kein Zeichen der Unterdrückung oder gar ein Folterinstrument. Freilich mag es zu falschen Anwendungen gekommen sein, die auch gesundheitliche Schäden hervorgerufen haben, aber dies stand nicht im Sinne der Erfindung.

Um 1900 erfand ein Arzt, der das herkömmliche Korsett für schädlich hielt, das sogenannte S-Korsett. Heute ist nachgewiesen, dass genau dieses schädlich ist. Das S-Korsett sollte den Druck auf den Bauch entlasten, es zwang die Brust nach vorne und die Hüften nach hinten. Das Resultat war ein S-förmiger Körper, der eine völlig unnatürliche Haltung hervorrief. Bewiesen ist mittlerweile, dass dieses Korsett den Rücken sehr stark belastet. 

Das Ende des Korsetts

Um 1915 waren modernere, weitere und längere Korsetts in Mode. Es bedeckte die Brust, verlief bis zum Knie hinunter und drückte die Taille breiter als schmäler. Das Korsett war im Vergleich zu einem Büstenhalter eher unbequem zu tragen, und auch das Ankleiden gestaltete sich schwieriger. Kurzum, es wurde langsam als zu unpraktisch empfunden. Später beschleunigte der bevorstehende 1. Weltkrieg das Ende des Korsetts. In den USA wurde die Damenwelt dazu angehalten, von nun an keine Korsetts mehr zu tragen, denn das Metall der Verstärkungsstäbe sollte zur Munitionserzeugung genutzt werden.

Heute findet das Korsett hauptsächlich Anwendung im erotischen Bereich und ist als ein rein modisches Kleidungstück anzusehen. Ausnahmen gibt es nur in der Medizin, wo es nach wie vor als stützendes Medizinprodukt eingesetzt wird, in einer freilich sehr modernen und verbesserten Form. 

Wer heute einmal ein echtes maßgefertigtes Korsett sein eigen nennen möchte, kann sich an “Velvet Mermaid” wenden. Konstanze, ihres Zeichens Schneiderin, fertigt diverse Mieder, Büstenhalter und Korsetts nach Kundenwunsch an. Vorwiegend stammt das Klientel aus der Steampunk- und BDSM-Szene, aber auch Vintage-Liebhaberinnen finden hier ihre maßgeschneiderte Unterwäsche.

Ebenso gibt es für die Herren der Schöpfung diverse altmodische Unterkleidung. Diese findet man im kleinen Online-Shop mit dem Namen “Lace4men”. Hier findet der Herr von Welt Strapshemden und Herrenkorseletts, die stark formend den Bauch dorthin bringen, wo er eigentlich sein sollte. 

Quellennachweise: srf.ch; sexycorsage.de; duden.de; edwardianpromenade.com

Andrew Grimes

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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