Jeans

Jeans: Vom Goldrausch in den Alltag

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9 Min. Lesezeit

Jeans [dʒiːns], (die; Plural, in Österreich oft Jean), selten auch Nietenhose genannt, sind Hosen aus robustem köperbindigen Baumwollstoff in blau, dem Denim. Den Ursprung haben diese Hosen in Italien nahe der Stadt Genua. Aus der französischen Aussprache des Städtenamens „Gênes“ entwickelte sich später und vor allem aber in den USA die Aussprache “Jeans”. 

Entwicklung in den USA


Levi Strauss, geborener Löb Strauß, stammt aus Buttenheim in Franken. Später wanderte er in die USA aus, genauer gesagt zog es ihn vorerst nach New York. 1853 gründete er dort gemeinsam mit seinen Brüdern die “Levi Strauss & Co.”  Die Firma verkaufte anfänglich Kurzwaren und Güter aller Art, bis es Levi Strauss nach San Francisco zog. Beweggrund für den Ortswechsel war der damalige “Goldrausch” in dieser Gegend. Er versorgte dort die Goldgräber in kleinen Geschäften mit brauchbaren Materialien und Gütern. Bei seiner Arbeit bemerkte er den großen Bedarf an strapazierfähigen Arbeitshosen für die schwere Arbeit auf den Schürffeldern. So begann Strauss, robuste Hosen aus dem Stoff “Serge de Nîmes” (Gewebe aus der Stadt Nîmes) anzufertigen. 

Wie die Nieten an die Taschen kamen


Levi Strauss verkaufte seine ersten Hosen recht gut und erhielt von den Goldgräbern positive Rückmeldungen. Ebenfalls in San Francisco lebte und arbeitete der Schneider Jacob Davis, der von einer Frau eines Arbeiters den Auftrag für sehr robuste Arbeitshosen mit festen Taschen erhielt. Er studierte und überlegte, wie er denn die angenähten Taschen verstärken könnte, damit diese den großen Belastungen der täglichen Arbeit standhielten. Seine Idee war es letztendlich, die Taschenecken mit Nieten zu verstärken, jedoch benötigte er einen erfahrenen  Geschäftspartner, um die Produktion umsetzen zu können. Er wandte sich an den jüdischen Geschäftsmann Levi Strauss und gemeinsam begannen sie, dieses Vorhaben umzusetzen. Am 20. Mai 1873 erhielten Levi Strauss und Jacob Davis vom ansässigen Patentamt das U.S. Patent #139121. Offiziell gilt dieser Tag als Geburtstag der Denim-Jeans.

Die neue und verstärkte Jeans verkaufte sich sehr gut, und die Produktion lief auf Hochtouren. Bald schon reichte der Verkauf bis weit über die Grenzen San Franciscos hinaus. 1886 wurde dann das bekannte “Pferdelogo” patentiert und geschützt. Das Logo stellt zwei Pferde dar, die jeweils in die entgegengesetzte Richtung an einer mit Seilen verbundenen Jeans zerren. Das Logo symbolisiert damit die unbesiegbare Stärke dieser Kleidungsstücke. Nicht einmal zwei Pferde könnten diese robusten Jeans entzweien!

Die wohl bekannteste Jeans ist die “Levi 501”. Diese Bezeichnung rührt aus einer Produktionsnummer aus dem Jahre 1890. Diese Serie war so beliebt, dass sie immer wieder nachproduziert wurde und bis heute ein Kassenschlager blieb.

Levi Strauss verstarb ganz unverhofft im Jahr 1902 in seinem Haus. Er hinterließ seinen vier Neffen das mittlerweile ansehnliche Textilunternehmen.

Währenddessen in Kansas


Auch Henry David Lee hatte die Idee für Arbeitskleidung und gründete 1889 in Kansas die “H.D Lee mercantile Company”. Er produzierte ebenfalls robuste Arbeitshosen, seinen Durchbruch erzielte das Unternehmen jedoch mit den bekannten Lee-Overalls, die im Jahre 1911 entwickelt wurden. Heutige Arbeitsoveralls orientieren sich weiterhin an diesem Vorbild von Lee. 1921 entwickelte Lee die „Loco Jacket“, die ganz speziell auf Eisenbahnarbeiter zugeschnitten war. 1937 war die H.D. Lee Company der größte Hersteller von Arbeitskleidung in den USA. 

Jeans eroberten die Welt


Beide Produzenten entwickelten ihre Hose und erweiterten ihr Sortiment. So war es auch die Levi Strauss & Co., die im Jahre 1934 die ersten Jeans für Damen entwarf. Lee hingegen produzierte erst ab 1947 Jeans für die Damenwelt. Seit den 1920er-Jahren wurden Jeans immer populärer und waren längst nicht mehr nur Arbeitshosen. Ab dem Jahre 1948 wurden Jeans erstmals auch in Europa hergestellt. Es war die “Hermann Kleiderfabrik” in Künzelsau, die mit der europäischen Produktion begann und im Jahre 1958 in “Mustang” firmierte.

Anfang der 1950er-Jahre entdeckten auch Jugendliche die Jeans als Symbol des Protests gegen Tradition und Autorität. Durch Filmstars wie James Dean und Marlon Brando wurde ihr Bekanntheitsgrad weiter gesteigert. Immer mehr Kleiderhersteller begannen Jeans zu produzieren. Die bekanntesten Marken neben “Levi`s” und “Lee” waren unter anderem “Wrangler” und “Mustang”. Als zeitloser Klassiker gilt bis heute die „Five-O-One“, die “Levi’s 501” mit Nietenknöpfen.

Jeans im Vintage-Stil


Lutec Quatermaster 1944, Woman; Foto: Lutec MFG

Grundsätzlich könnte man also eine “Levi’s 501” oder eine “Lee Rider” schon als Vintage-Jeans ansehen. Wer jedoch eher dem Look der 50iger-Jahre frönt, der muss auf andere Schnittmuster zurückgreifen. Damals waren die Hosen etwas weiter geschnitten und wurden bei Überlänge auch gerne mal aufgekrempelt. Hierzu bietet beispielsweise die Marke Rumble59 ein breites Sortiment an. Ebenfalls empfiehlt sich die Marke Dickies, die zudem auch einige günstige Latzhosen im Sortiment hat. Erhältlich sind diese Marken in Österreich beispielsweise bei “Kingpin” in Wien, bei “Inked Fashion” in Gleisdorf oder auch bei “Kaloco” in Feldbach. Wer weiter in der Zeit zurückreisen möchte, der sollte sich bei “Lutec MFG” umsehen. Diese Marke führt Jeans im Design der 1930er bis 1950er-Jahre im klassischen Stil mit hohem Bund und Verstellriegel an der Rückseite. Diese Jeans bekommt man im Online-Shop von “Tschinderella” in Villach.

Handgefertigte Gefängniskleidung


Ganz besondere Jeans erhält man bei “Prison Blues”. Wie der Name schon vermuten lässt werden diese Jeans von den Gefangenen des “Eastern Oregon Correctional Institute” von Hand gefertigt und vertrieben. Hauptziel dieser Aktion war es, die Haftkosten für den Steuerzahler zu reduzieren und darüber hinaus den Häftlingen die Möglichkeit einer anständigen Arbeit mit fairer Entlohnung zu ermöglichen. Die Jeans sind teilweise sehr klassisch geschnitten und entsprechen den damaligen Arbeiter- oder Farmerhosen. Bestellen kann man im Online-Shop, die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte oder PayPal. Die Kosten bleiben trotz der weiten Lieferung überschaubar, in 13 Tagen kam unsere Testbestellung am Zielort an. Mit dem Zoll gab es keinerlei Probleme, und es fielen auch keine weiteren Gebühren an. Diese Angaben stellen unsere Erfahrungswerte dar, und wir können daher keinerlei Garantie für deren Richtigkeit bei anderen Bestellvorgängen übernehmen.

Auch die Ur-Jeans gibt es noch


Scully Railhead Stripe; Foto: Scully

Wie am Anfang dieses Artikels berichtet, fertigte Levi Strauss ursprünglich Arbeitshosen aus  Baumwollstoff für die Goldgräber – die Ur-Jeans. Und genau solche Hosen sind auch heute noch erhältlich. Die Marke Scully produziert solche Hosen seit 1906. Die klassischen Baumwollhosen aus braunem Baumwollstoff mit Hosenträger-Knöpfen und Verstellriegel am hinteren hochgezogenen Bund werden an den Beinen noch ungesäumt ausgeliefert. So kann die Länge nach Bedarf vom Schneider angepasst werden. In den USA erhält man diese Hosen in Western-Shops oder auch manchmal bei Walmart. In Europa sind diese Ur-Jeans sehr schwer bis gar nicht erhältlich. 

Wir wären jedoch nicht “Der Nostalgiker”, wenn wir hierzu keine Adresse liefern könnten. Im Online-Shop von “Proidee” gibt es diese urigen Scully-Jeans! Nun können Sie stilecht auf Goldsuche in den Wienerwald gehen. Viel Glück!

Quellennachweise: levistrauss.com; lee.com; mustang-jeans.com

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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