Eine Ohrfeige hat noch niemanden geschadet. – Solch leichtfertige Parolen kennen wir doch sicher alle. Kinder der Fünfziger- und auch noch Sechzigerjahre wurden oftmals von den Eltern körperlich gezüchtigt. Von der einfachen Ohrfeige angefangen bis hin zur Züchtigung mit Hilfsmitteln wie Rohrstock, Kochlöffel oder Teppichklopfer – damals eine ganz normale Handhabe in der Erziehung und vor allem legitim.

Die Prügelstrafe in Schulen

Zu jener Zeit gab es auch noch an fast allen Schulen die Prügelstrafe. Im Namen der Erziehung durften also auch Lehrkräfte, Kinder und Jugendliche bei Fehlverhalten züchtigen. Mitte der 1950er-Jahre begannen sich allerdings einige Eltern in vielen Ländern Europas dagegen auszusprechen. In Teilen Deutschlands wurde etwa ab dem Jahre 1949 die Übertragung des elterlichen Züchtigungsrechts an Lehrer oder andere Personen verboten. Nach und nach schlossen sich immer mehr deutsche Bundesländer diesem Vorbild an.

So schrieb zu diesem Verbot im Bundesland Hessen beispielsweise die Zeitschrift “Ihre Freundin” aus dem Jahre 1956 auf Seite 84 folgendes: “Jeder von Lümmeleien bedrohte Erwachsene sollte stets die Selbstdisziplin aufbringen, über der Situation zu stehen.” Dies erkannten immer mehr Menschen an, und auch Psychologen waren der Auffassung, dass solche Strafen schwere seelische Schäden bei Kindern hervorrufen können.

Als Vorreiter muss man hierbei Finnland erwähnen, denn in Finnland wurde die Prügelstrafe an Schulen schon im Jahr 1914 abgeschafft. Die DDR folgte dann im Jahr 1949, und die BRD zog im Jahre 1973 zur Gänze nach. Den genauen Sachverhalt der Verhältnisse an österreichischen Schulen in Zusammenhang mit der Prügelstrafe konnte unsere Redaktion leider nicht eruieren. Fest steht, dass Österreich 1989 das vollständige Verbot von Prügelstrafen erließ. Deutschland folgte zwei Jahre später.

Die 68er-Bewegung änderte auch die Erziehung

Maßgebend zu diesem Sinneswandel der Gesellschaft hat unter anderem die Freiheitsbewegung im Jahre 1968 beigetragen. Die mittlerweile erwachsen gewordenen “geprügelten Generationen”, die dann den Befreiungsschlag vollzogen: deren Kinder sollten nun alles dürfen und genossen eine antiautoritäre Erziehung. Die Gelähmtheit war endlich vorbei. Die neue Elterngeneration versuchte, ihre Kinder mit viel Liebe und Zuwendung aufzuziehen, ihnen Manieren und Respekt beizubringen und eine schöne Kindheit zu bescheren.

Trotz gesetzlichen Verboten ist häusliche Gewalt bis heute allgegenwärtig. Weniger in der Öffentlichkeit, denn Schläge und Prügel sind gesellschaftlich verpönt, aber in den eigenen vier Wänden wird gerne mal einen Ohrfeige verteilt. Mütter und Väter greifen allerdings nicht mehr so selbstverständlich zum Kochlöffel wie noch vor einigen Jahrzehnten. So gesehen haben es Kinder von heute besser.

Quelennachweis: strafrecht-online.org; Ihre Freundin, Nr 21, 9.Oktober
1956, 9. Jahrgang; Die geprügelte Generation, 3.Auflage
(ISBN: 978-3-608-94680-2)
Rubriken:Gesellschaft

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