Stirling Moss
Grosser Preis der Niederlande, Zandvoort 1955; J. M. Fangio (links), St. Moss (rechts); Foto: Nationaal Archief

Rennfahrer-Legende Stirling Moss verstorben

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5 Min. Lesezeit

Am Vormittag des 12.04.2020 verstarb die Rennfahrer-Legende Sir Stirling “Craufurd” Moss (OBE) im Alter von 90 Jahren nach langer schwerer Krankheit. Stirling Moss galt als der beste Fahrer, der niemals einen Weltmeisterschaftstitel gewann. Für viele Menschen war er jedoch noch viel mehr, kein anderer hat den Motorsport so sehr verkörpert wie er.

Stirling Moss wurde am 17. September 1929 in London, England, geboren. Er wuchs in einer motorsportbegeisterten Familie auf. Vater Alfred Moss, Zahnarzt, fuhr nebenbei Rennen in Brooklands sowie in Indianapolis. Auch Sterlings Mutter Aileen war dem Motorsport nicht abgeneigt und startete bei Trialrennen in den frühen 1930er-Jahren. Seine jüngere Schwester Pat fuhr ebenfalls später in den 50iger-Jahren erfolgreich Sportwagenrennen und Rallyes. 

Die frühen Anfänge

Auch Stirling Moss stieg früh in den Motorsport ein und startete zunächst in der Formel 3 und in der Sportwagenserie. Zwischen 1951 und 1953 wurde er zum Allroundtalent: er fuhr Formel 1, Formel 2, Sportwagen und auch Rallyes lagen ihm nicht fern. Egal welches Fahrzeug und welcher Untergrund, Stirling war immer schnell. 1954 unterzeichnete er seinen ersten Vertrag bei Maserati für die folgende Saison. Bis auf ein paar wenige Erfolge war dieses Jahr ein Desaster für den jungen Moss. Doch wurde in diesem Jahr der damalige Mercedes-Rennleiter Alfred Neubauer auf den talentierten Fahrer aufmerksam und holte ihn ab 1955 in sein Team. Die Saison ‘55 war eine erfolgreiche Saison für Stirling Moss, er wurde hinter Juan Manuel Fangio Vizeweltmeister in der Formel 1 und fuhr zudem den Sieg und gleichzeitig Streckenrekord bei der legendären Mille Miglia ein. Kurz darauf noch im selben Jahr gewann er zusätzlich die Targa Florio. Ein möglicher Sieg wäre wohl auch beim Rennen in Le Mans drinnen gewesen. Aufgrund eines verheerenden Unfalls zog sich jedoch Mercedes von diesem Rennen zurück und so verblich für Stirling auch die Chance auf einen Sieg. Stirling Moss avancierte in diesem Jahr gewiss schon zu einer Legende. 

Gentleman ohne Krone

Nachdem sich Mercedes nun komplett vom Motorsport zurückgezogen hatte, wechselte Stirling Moss für zwei Jahre wieder zu Maserati. In der Saison 1958 hatte Stirling Moss es fast geschafft, doch durch seine ungeheuerliche Fairness wurde er mit nur einem Punkt Rückstand wiederum nur Vizeweltmeister. Dazu kam es, als er nach einer Disqualifikation seines Landsmannes Mike Hawthorn beim Großen Preis von Portugal sich für diesen bei der Rennleitung einsetzte. Dadurch konnte Hawthorn den Weltmeistertitel für sich beanspruchen. Stirling Moss sagte einmal in einem Interview: ”Aber ich würde das jederzeit wieder tun, weil es fair war.

Ab 1959 fuhr er für das Team Cooper und konnte diese Saison mit dem dritten Platz in der Weltmeisterschaft abschliessen. Ab 1960 stieg er in das Lotus Privatteam von Rob Walker, Sohn der Whiskey-Familie “Johnny Walker”, ein und wurde in der Saison 1960 und 1961 wiederum nur Dritter in der Gesamtwertung. Moss wurde 1961 außerdem zum Sportler des Jahres in Großbritannien gewählt.

Unfall in Goodwood

Der 23. April 1962 war ein rabenschwarzer Tag für Stirling Moss. Bei einem nationalen Formel 1 Rennen in Goodwood kämpfte er mit Getriebeproblemen und kam irgendwann von der Strecke ab. Er prallte in einen Erdwall und erlitt schwere Verletzungen – zahlreiche Knochenbrüche und ein schweres Hirntrauma. Er lag 48 Tage im Koma und war danach halbseitig gelähmt. Über ein Jahr lang dauerte seine Genesung. Die Unfallursache ist bis heute ungeklärt. Im Mai 1963 absolvierte er in Goodwood wieder ein paar Testrunden und obwohl seine Rundenzeiten schnell wie zuvor waren, kehrte er dem aktiven Motorsport den Rücken und gab seinen Rücktritt bekannt. 

Stirling Moss wurde danach ein erfolgreicher Geschäftsmann und war zudem zum  Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt worden. 1999 wurde er von Königin Elisabeth II. als “Knight Bachelor” in den Adelsstand erhoben. 

Sir Stirling “Craufurd” Moss (OBE) kann auf 529 Rennen in verschiedensten Klassen zurückblicken, von denen er stolze 212 Rennen gewinnen konnte. Man kann diesen Gentleman also durchaus zu den besten Rennfahrern des Jahrhunderts zählen.

Quellennachweise: grandprixhistory.org; stirlingmoss.com;

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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