Der Dandy [dɛndi] ist laut Wörterbuch ein sich übertrieben modisch kleidender Mann und Vertreter des Dandyismus. Als Dandyismus bezeichnet man einen Lebensstil, der für Exklusivität in Kleidung und Lebensführung steht, und einen geistreich-zynischen Konversationston sowie  eine gleichgültig-arrogante Haltung in jeder Lebenssituation an den Tag legt. Die Herkunft des Begriffes “Dandy” ist unklar, entstammt vielleicht aber aus der englischen Koseform zu Andrew (deutsch: Andreas). Im Übrigen ist das weibliche Gegenstück zum Dandy die sogenannte Quaintrelle

Alles begann im 18. Jahrhundert


Im 18. Jahrhundert lehnten vor allem die Engländer die französische Hofkultur ab und entwickelten ein neues Körperbewusstsein. Diese Einflüsse ließen den modernen Herrenanzug entstehen, der bis heute einen festen Bestand in der Mode hat. Die Anzüge wurden damals körpernah geschnitten, betonten die Statur eines Mannes und waren meist aus festem Stoff genäht. Diese Art von Anzügen wurde von Beau Brummel, einem der bekanntesten und ersten Dandys, stark vertreten und kultiviert. Auch andere Vertreter des Ästhetizismus, wie Charles Baudelaire, Lord Byron, Giacomo Casanova und Oscar Wilde verhalfen dem Dandyismus zu seiner Popularität.

George Bryan Brummel


Beau Brummel

Viele Legenden ranken sich um den Urvater des Dandyismus Beau Brummel. Er verachtete jeglichen Schmuck und Parfüm, wechselte mehrmals täglich seine Kleidung und betrieb enormen Aufwand für die Ästhetik. Überlieferungen zur Folge soll er drei Frisöre gehabt haben, einen für die Stirn, einen für die Seiten und einen für den Hinterkopf. Durch seinen Einfluß sollen die damals sehr beliebten Perücken ausser Mode gekommen sein. Während in adeligen Kreisen noch ganz der höfischen französischen Mode gefolgt wurde, propagierte Brummel schon damals die neue Schlichtheit. Durch seinen extravaganten Lebensstil verausgabte er sein ganzes Vermögen und wurde von Gläubigern verfolgt, weswegen er letztendlich im Irrenhaus landete. 

Der gescheiterte Dandy


Charles Baudelaire sah sich selbst in jungen Jahren schon als angehender Schriftsteller. Er verkehrte in Pariser Literatur- und Künstlerkreisen und schrieb später seine ersten Gedichte. Seinem Stiefvater mißfiel der Werdegang seines Stiefsohnes und schickte ihn auf eine Seereise, die ihn auf andere Gedanken bringen sollte. Charles Baudelaire ging aber schon frühzeitig von Bord und verbrachte stattdessen eine schöne Zeit auf Mauritius. Nach acht Monaten kehrte er zu seinen Eltern zurück und versprach Besserung in seinem Verhalten. Mit Erreichen seiner Volljährigkeit im Jahre 1842 verlangte er das Erbe von seinem Vater. Mehr als die Hälfte dieses Vermögens verschleuderte er innerhalb von 18 Monaten durch seine luxuriöse Dandy-Existenz. 1844 übernahm seine besorgte Familie die gerichtlich erwirkte finanzielle Vormundschaft. Charles Baudelaire versuchte danach die Schriftstellerei beruflich zu betreiben und feierte hier später auch einige Erfolge. Finanziell lief es für Baudelaire leider in seinem ganzen Leben nicht allzu gut. Selbstmordversuche, Alkohol- und Drogenkonsum waren die Folge. Er verstarb 1867 im Alter von 46 Jahren in einer Pariser Klinik.

Ein besonderer Lebensstil


Ein Dandy zu sein bedeutet jedoch mehr als nur besonders gut gekleidet durch die Vorstadt zu flanieren. Der Dandyismus ist eine Lebenseinstellung, ein besonderes Lebensgefühl. Dandys beschäftigen sich wenig mit Arbeit, politisches oder gar soziales Engagement betrachtet der Dandy als Ausdruck kleinbürgerlicher Verblendung. Dementsprechend lehnt er die Konvention des Brotberufs eher ab und pflegt lieber den Müßiggang. Dandys gehen daher zumeist einer künstlerischen Beschäftigung nach. Ebenfalls unverzichtbar sind ein schlagfertiges Mundwerk und vor allem ein ungezwungenes Verhältnis zum Geld. 

Gustav Temple beschreibt den Dandy in seinem Buch “The Chap Manifesto” sehr trefflich in einem Satz: “The Dandy is the highest form of existence attainable by the human form.”

Quellennachweise: duden.de; britannica.com; “The Chap Manifesto:
Revolutionary Etiquette for the Modern Gentleman” 
von Gustav Temple & Vic Darkwood

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