Finnish Air Force
Flagge der Finnish Air Force bis 2020

Von Arschlöchern und versteckten Hakenkreuzen

5 Min. Lesezeit

Erst durch die jüngste Debatte um Rassismus, die durch den Mord eines dunkelhäutigen Amerikaners ausgelöst wurde, begannen viele Unternehmen mit “fragwürdigen” Logos oder Werbekampagnen diese zu ersetzen. Die Rede ist hierbei beispielsweise vom Reisproduzent “Uncle Bens”, der seit Jahr und Tag einen schwarzen älteren Herren im Logo abgebildet hat. Dieser Schwarze hat weißes schütteres Haar und trägt ein weißes Hemd, auf manchen Abbildungen sogar mit Fliege und einem dunkelblauen Sakko. Er lächelt dabei. De facto nichts auffälliges, auch nichts besonderes, jedoch wurden gerade bei dieser Diskussion kritische Stimmen laut und das Unternehmen selbst lenkte sogar ein. Das Logo wird nun überarbeitet, so der Konzern.

Auch dem Vorarlberger Biererzeuger “Mohrenbräu wurde aufgrund seines Logos Rassismus vorgeworfen. Gebraut wurde dort schon um 1740, der Name geht aber auf eine Gaststätte zurück, die den Namen “Mohrenwirt” trägt und dieser wiederum vom Besitzer Josef Mohr abgeleitet ist. Dieser wird bereits 1784 erstmals urkundlich erwähnt. Nun, was kann der gute Mann denn für seinen Namen? Und ist es nicht sein Recht, sein Unternehmen nach seinem bürgerlichen Nachnamen zu benennen?!

Es kommt immer auf das “Wie” an

Auch heutzutage verwendet man, speziell in Wien und Umgebung, den Ausdruck “Neger” noch ab und an. 

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Als Lehnwort dient hier das französischen nègre, das wiederum vom spanischen negro, und damit die Nachfolge des lateinischen niger (steht für „schwarz“) ist, abgeleitet wird. Ansich also nicht unbedingt etwas Negatives. Sämtliche Ausdrücke müssen doch immer im Kontext gesehen werden. Jedes Wort kann demnach positiv oder negativ verwendet werden. Wenden wir uns mal dem Wort “Arschloch” zu. Neben einer natürliche Körperöffnung ist es auch ein klassisches Schimpfwort. Damit ist es automatisch negativ behaftet. Doch ist ein Arschloch grundsätzlich etwas Schlechtes? Wohl kaum, denn sonst hätte uns alle wohl schon ein qualvoller Tod ereilt! Da ist es doch positiv, wenn man eines hat! 

Nun, legen wir den Humor beiseite. Grundsätzlich wird diese wichtige Körperöffnung meist negativ, eben als Schimpfwort, gebraucht, kann aber in anderen Zusammenhängen auch positiv gemeint sein. Beispielsweise in sexueller Natur. Dies gilt nicht nur für diese Körperöffnung selbst, sondern auch weitgehend für den Arsch drum herum. Es gibt wahrlich schöne Ärsche und das, liebe Leser, können sie nun deuten, wie Sie möchten. 

Ein verstecktes Hakenkreuz

Doch hat sich in all den Jahren, gar Jahrzehnten, ein rassistisches Symbol in unsere Gesellschaft eingeschlichen, das kaum jemand wahrgenommen hatte. Bis heute. Die Rede ist vom Wappen der finnischen Luftwaffe, die seit 1918 eben diese Rune beinhaltet – ein Hakenkreuz in blau auf weissem Grund. Die Finnen sind bei der Verwendung von derlei Nazi-Insignien nicht zimperlich, immer wieder tauchte bei Feierlichkeiten und Veranstaltungen das Hakenkreuz auf. Und dieses Symbol ist ebenso nicht automatisch negativ behaftet, eigentlich ganz im Gegenteil. Archäologen haben in Finnland belegt, dass das Hakenkreuz beziehungsweise die Swastika, schon aus der Eiszeit her stammt. Das Symbol ist nicht nur in Skandinavien ein Zeichen der Sonne und des Glückes, auch bei anderen Völkern hat es ähnliche Bedeutungen. Wie Sie auch hier wieder sehen, ist es erneut nur eine Frage des persönlichen Empfindens. Nur weil ein Arschloch namens Hitler (hier ist Arschloch negativ anzuwenden) dieses Symbol für sich beansprucht hatte und seine Taten wohl die grausamsten seit Menschengedenken waren, ist die Swastika nicht automatisch schlecht. Negativ sind dabei nur die Gedanken in den Köpfen der Menschen, die dies einfach von vornherein verurteilen und in eine sogenannten “Schublade” stecken.

Nun, nach über einhundert Jahren ist es plötzlich einigen vielen aufgefallen und das Hakenkreuz in der Flagge der finnischen Luftwaffe ist damit Geschichte. Eine Wunde schmerzt solange nicht, bis man das Blut daraus sieht. 

Quellennachweise: puolustusvoimat.fi; spiegel.de

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Zeitungsjunge Der Nostalgiker

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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