Arschloch
Figur am Kölner Rathaus; Photo: dpa

Des Oaschloch

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Seit dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt vom 02. November 2020 ist das Schimpfwort “Arschloch” weltweit in aller Munde. Zurückzuführen ist dies auf einen unbekannten Wiener, der während des Anschlages den Täter mit seinem Smartphone filmte und ihm diese herzhafte Beschreibung lautstark zuteilwerden ließ. 

Im Wortlaut rief der Wiener dem Täter folgendes zu:”Schleich di, du Ǫaschloch!” Dieser Ausruf wurde innerhalb weniger Stunden nach dem Attentat so populär, dass er sogar zum offiziellen Hashtag (Wortmarkierung) avancierte. Während man in anderen Ländern nach derlei Ereignissen eher sanfte und mitfühlende Hashtags wie “Je suis Charlie”, “Pray for London”,  “Todos con Barcelona” oder “Hanau war kein Einzelfall” verwendete, gilt für WienSchleich di, du Ǫaschloch”. 

Nun was ist denn ein Ǫaschloch, zu Hochdeutsch Arschloch, eigentlich. Anatomisch gesehen handelt es sich schlichtweg um den After oder auch Anus. Im deutschsprachigen Raum ist dieser Ausdruck aber auch als Schimpfwort seit jeher sehr beliebt. Es bezeichnet eine verachtenswerte Person. Verschriftet wird das Arschloch im Wienerischen mit einem Diakritika. Das sogenannte Ogonek, aus dem polnischen stammend, bedeutet “Schwänzchen”. In diesem Fall handelt es sich eben um ein O mit Schwänzchen (Ǫ). Die Mehrzahl von Ǫaschloch ist übrigens Ǫaschlechcha. Das oft fälschlicherweise verschriftete R wird nicht gesprochen, es ist stumm und muss daher nicht verschriftet werden. 

Wo de grinan Oaschlechcha wåksn

In Wien gibt es zudem viele verschiedene Ǫaschlechcha. Es gibt da beispielsweise das “Ǫaschloch in Folio”. Folio bedeutet Großformat, es handelt sich dabei also um ein sehr großes Ǫaschloch. Auch ein “kariertes Ǫaschloch” ist äußerst beliebt in Wien. Nicht gern gesehen in Wien ist ein “numariats Ǫaschloch”. Bei einem eben solchen handelt es sich um einen Polizisten und rührt aus vergangenen Tagen, wo Polizisten noch nummerierte Patronentaschen trugen. Manchmal schickt ein Wiener den anderen auch dorthin “Wo de grinan Ǫaschlechcha wåksn”, also dorthin, wo die unbrauchbaren Leute wohnen. 

Den Wienerinnen und Wiener sagt man generell eine gewisse Art zum Grantl`n nach. Der Ausruf “Schleich di, du Ǫaschloch” spiegelt auf typisch wienerische Art das Gefühl der ganzen Stadt wider. Das Ǫaschloch dient mittlerweile auch als Platzhalter für den Namen des Attentäters, eine entsprechendes Browser-Plugin wurde erst kürzlich veröffentlicht. Und dass ausgerechnet ein Ǫaschloch zum Leitspruch gegen Terror und Furcht wird, hätte sich vor einigen Tage auch noch niemand gedacht.

Quellennachweise: Wörterbuch der Wiener Mundart; Maria Hornung und Sigmar Grüner, 2. Auflage 2020 [ISBN 3-209-03474-5];

Andrew Grimes

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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