Dame Zigarette

Accessoires rund ums Rauchen

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Dass Rauchen von Tabakwaren im frühen 20. Jahrhundert zum guten Ton zählte und deshalb mehr denn je gesellschaftsfähig war, beschrieben wir in einem unserer früheren Artikel “Als Rauchen noch gesellschaftsfähig war”. Aber rund um das Rauchen gab es noch vieles mehr, nämlich allerlei Hilfsmittel, Werkzeuge und Accessoires. Heute beschränkt sich das Rauchen auf das Nötigste, eine Packung Zigaretten, ein Feuerzeug und einen Aschenbecher. Relativ simpel und stillos, wie wir finden. 

Lebensretter Zigarettenetui

Eines der wohl bekanntesten Accessoires ist das Zigarettenetui. Es ist sogar mehr als nur ein Accessoire, es ist ein Statussymbol. Edle Etuis, aus Silber beispielsweise, zeugten immer schon von Wohlstand, denn Rauchen galt seinerzeit grundsätzlich als Luxus und war nur den besser situierten Herrschaften finanziell möglich. Mit einem entsprechenden Etui konnte man dies stilvoll untermauern. Doch hatte ein Zigarettenetui eigentlich einen ganz anderen ursprünglichen Nutzen. Zigaretten konnten damals nur einzeln erworben werden und damit sie beim Tragen nicht geknickt wurden und vor Feuchtigkeit geschützt waren, benötigte man ein adäquates Behältnis. 

Auch Zigarettenautomaten lieferten damals einzelne Zigaretten, es gab in den 1930er-Jahren sogar Automaten, die eine entzündete Zigarette ausgaben. Ab den frühen 1930er-Jahren kamen dann auch standardisierte Zigarettenschachteln auf, die immer weiter überarbeitet wurden. Zum einen gab es hier die in Amerika beliebte Papierpackung (Softpack) und zum anderen die Kartonpackung (Hardpack). Letztere hat sich mit einer Bestückung von meist 20 Zigaretten durchgesetzt und ist bis heute so geblieben. 

Natürlich war das Zigarettenetui auch bei den Soldaten sehr beliebt und verbreitet. Die meist aus günstigeren Materialien (z.B.: Blech) hergestellten Etuis erwiesen sich unter anderem auch als Lebensretter. Meist in einer Hemdtasche untergebracht sollen sie so manchen Soldaten vor dem Tode bewahrt haben, da feindliche Projektile von der kleinen Metallbox gebremst oder gestoppt worden sein sollen. 

Zigarettenkisten und Raucher-Sets

Das größere Pendant zum Zigarettenetui ist die Zigarettenkiste. Sie diente als Aufbewahrungsbehältnis von Zigaretten im Haushalt. Meist aus edlem Holz und auch mit diversen Einlegearbeiten versehen, zierte es den heimischen Wohnzimmertisch. Auch aus Metall und Stein gab es derartige Zigarettenspender, die meist Bestandteil eines sogenannten Raucher-Sets waren. Ein solches Set bestand zumeist aus eben einer Zigarettenkiste, einem dazu passenden Aschenbecher und einem Feuerzeug oder Tischfeuerzeug. 

Gerade in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts haben sich solche Sets durchgesetzt und man fand diese in fast jedem Raucherhaushalt. Eben diese Zeit war bekannt für derlei Schnickschnack, es gab für alles ein Behältnis, einen Halter oder einen Ständer. Rauchergarnituren mit dazu passenden Zigarettenhaltern, zusammenpassende Schälchen für Knabbergebäck und hübsche Ständer für das im selben Farbton gehaltene Kaffeeservice. Viele Sachen, die keinen Sinn machten, aber dennoch äußerst beliebt waren und heutzutage teilweise begehrte Sammlerstücke darstellen.

Das Zeug, mit dem man Feuer macht

Eines der wichtigsten Utensilien eines Rauchers war und ist das Feuerzeug. Denn ohne Feuer kein Rauchgenuss. Das Feuerzeug ist allerdings kein einzelnes Gerät sondern wie der Name schon sagt, “Das Zeug, mit dem man Feuer macht”. Die vier weltweit bekannten und angewandten Methoden um Feuer zu machen sind “Schlagen”, “Reiben”, „Entladung” oder “Kompression”. Da es aber durchaus aufwendig ist, bei jeder Zigarette Feuersteine aneinander zu schlagen oder zwei Holzstücke gegeneinander zu reiben bis eine Glut entsteht, entwickelte man entsprechend einfache Werkzeuge für den Alltag. Die Urform des modernen Feuerzeugs erfand der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner im Jahre 1823. Die amerikanische Firma Repeating Light Co. in Springfield erhielt 1865 ein Patent auf das von ihr entwickelte erste Taschenfeuerzeug das wir bis heute verwenden. 

Aber genug der Technik und Jahreszahlen, ein Feuerzeug ist ein notwendiges Werkzeug für einen Raucher und hat sich über die Jahrzehnte sicherlich auch zum Statussymbol erhoben. Je teurer und edler ein Feuerzeug, umso wohlhabender und glamouröser wirkte die Person auf die Mitmenschen. Der Kult ums noble Feuerzeug ist jedoch ab den 1980er-Jahren etwas abgeflacht. Heute werden weitgehendst einfache Kunststoff-Gasfeuerzeuge verwendet, denen keinerlei Bedeutung mehr geschenkt wird. Dies liegt wohl auch daran, daß rauchen an sich heute als negative Eigenschaft eingestuft wird und für den Raucher nur mehr eine Notwendigkeit darstellt, seine Nikotinsucht zu befriedigen. 

Ein ostentatives Gadget

Die Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts waren der Beginn der Jazz-Musik, die Ära von Prohibition und Sittenverfall, der großen Gangsterbosse, dem Charleston und der Zigarettenspitze. Populär wurde die Zigarettenspitze oder auch der Zigarettenhalter durch die Charleston-Tänzerinnen, auch “Flapper” genannt, die mit ihrem verruchten Tanz die Prohibition und Restriktion demonstrierten. 

Sehr beliebt waren diese Zigarettenspitzen bei Damen, aber auch Herren verwendeten dieses elegante Accessoires später. Darunter Prominente wie Audrey Hepburn, Lucille Ball,  Jayne Mansfield, Jacqueline Kennedy, Rita Hayworth oder aber auch Franklin D. Roosevelt, Ivor Novello,  Enrico Caruso, Vladimir Horowitz und Ian Fleming, um nur einige zu nennen. Solche Zigarettenspitzen hatte neben ihrem Statement aber auch einen Nutzen. Mehrere, um genau zu sein. Aufgrund ihrer Länge, die je nach Anlaß variierte, hielten sie die Asche und Glut von den Kleidern und Röcken der Damen fern. Herren trugen damals zum Rauchen ja sogenannte Raucherjacken (Smoking Jackets), um die Kleidung sauber zu halten. Außerdem kamen Finger und Mund nicht direkt mit der Zigarette in Berührung und so wurden gelbliche Verfärbungen an diesen Stellen vermieden. 

Bis in die 1970er-Jahre waren Zigarettenspitzen durchwegs beliebt, ihre Hochzeit hatten sie jedoch ab den 1900er-Jahren bis hinein in die 1960er-Jahre. Wer die Zigarettenspitzen erfunden hat, konnten wir bedauerlicherweise nicht herausfinden. Zu den größten Herstellern von Zigarettenspitzen aus Papier zählt jedoch sicherlich Marvin C. Stone. Er war es im übrigen auch, dem wir die Erfindung des Trinkhalms im Jahre 1888 zu verdanken haben. Zigarettenspitzen und Trinkhalm liegen von der Funktion ja nicht sonderlich weit auseinander. So kam er eines Tages beim Genuss seines abendlichen Mint Julep auf die Idee einen Trinkhalm aus Papier zu fertigen. Seinerzeit wurden Gräser (Strohhalm) als Trinkhalm verwendet und diese verfälschten oftmals den Geschmack des eigentlichen Getränkes. Schon bald produzierten seine Arbeiter mehr Trinkhalme als Zigarettenspitzen in seinen Fabriken.

Quellennachweise: Die Entdeckung Österreichs in 100 Objekten, Gregor Auenhammer,. Metroverlag, [ISBN 978-3-99300-084-4]; creativshake.com; stern.de; onetz.de

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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