Hemden

Accessoires rund ums Hemd

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Das Hemd (von althochdeutsch [hemidi]) ist ein Kleidungsstück, dessen Herkunft bereits bis 925 vor Christi zurückführt. Bereits die Hebräerinnen trugen ein bis auf den Boden reichendes, weißes Hemd aus Leinen. Etwa seit dem 16. Jahrhundert ist das heutige Hemd als solches bekannt und wird als Tagesgewand getragen. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das Hemd in Form und Textilarten mehrmals, und so wurden auch immer wieder neue oder andere Accessoires rund ums Hemd erfunden und verwendet. 

Abnehmbare Krägen


Im 19. und frühen 20. Jahrhundert beispielsweise zählten anknöpfbare Krägen zur formellen Bekleidungsnorm. Sie wurden mit speziellen Kragenknöpfen an den kleinen Stehkragen des Hemdes angeknöpft. Berühmtester Vertreter aus dieser Zeit ist wohl der hohe Stehkragen, auch bekannt als “Vatermörder”. Die Wortherkunft des “Vatermörders” ist bis heute unbekannt. Eine Erklärung wäre der französische Namen “parasite” für diesen Kragen, denn an den nach oben gerichteten Ecken blieben leicht Speisereste hängen. In Deutschland sei diese Bezeichnung dann mit dem ähnlich klingenden Wort “parricide”, welches für Vatermörder steht, verwechselt worden. Eine andere Annahme wiederum verweist auf die Heimkehr eines Sohnes aus der Fremde, der seinen Vater zur Begrüßung rasch küsste und ihm dabei mit einem solche Kragen in das Auge stach, woran der Vater später verstarb.

Der Nachfolger des “Vatermörders” war der Kläppchenkragen (abgeknickte Ecken), wie er heute noch beim Smoking oder Frack verwendet wird. Auch der klassische Clubkragen (abgerundete Ecken) und der heutige Kentkragen (spitze Ecken) existierten damals schon, wurden aber eher im informellen Rahmen verwendet. 1863 wurde durch die Gebrüder Hönigsberg in Wien der halbsteife Hemdenkragen aus Doppelstoff erfunden, der nicht mehr angeknöpft werden musste, sondern fest mit dem Hemd verbunden war. 

Hemdbrust und  Knopfleiste


Die Hemdbrust, auch Vorhemd genannt, ist ein Kleidungsstück, das zwischen Weste und Hemd getragen wird. DIe Hemdbrust wurde um die Jahrhundertwende (1900) getragen und besteht meist aus mit Stoff überzogenem Karton. Mit einer Schnürung am Rücken wurde sie zusammengebunden. Heute verwendet man ein Vorhemd nur mehr als Gesellschaftskleidung unter dem Smoking oder Frack. Moderne Hemden besitzen eine aufgenähte zweiteilige Hemdbrust, meist aus Piqué, die mittels speziellen Hemdknöpfen (Studs) verschlossen wird.

Vor 1900 hatten Hemden zudem keine durchgehende Knopfleiste. Sie mussten somit immer über den Kopf gezogen werden. Mit der Einführung der durchgehenden Knopfleiste (Patent aus dem Jahre 1887) konnte das Hemd bequem angezogen und zugeknöpft werden. Bei Herrenhemden sind die Knopflöcher stets auf der linken Seite angebracht, vom Träger aus gesehen. Bei Damenblusen befinden sich die Knopflöcher immer auf der rechten Seite, ebenfalls von der Trägerin aus gesehen.

Ärmelschoner und Ärmelhalter


Ärmelschoner wurden zum Schutz der Hemdärmel getragen. Diese sind ein schlauchartiges Kleidungsstück aus Leinen,  die an jedem Ende mit einer Kordel zum Zuschnüren versehen sind. Ärmelschoner wurden bis Mitte des 20. Jahrhunderts beispielsweise von Buchhaltern getragen. die meist in Tabellenblättern mit Tinte schrieben. Auch Schriftsetzer in Druckereien bedienten sich solcher Schoner, um ihre Hemdsärmel vor Druckerschwärze zu schützen.

Ärmelhalter, verstellbare Gummibänder oder auch aus elastischem Metall gefertigte Haltebänder dienten damals zur Justierung der richtigen Ärmellänge. Es wurden nämlich bei der ersten industriellen Produktion von Hemden noch keine Körpermaße verwendet. Die Hemdärmel wurden daher als Einheitsgröße produziert, sodass diese auch von großen kräftigen Männern getragen werden konnten. Kleineren Personen waren diese Ärmel natürlich viel zu lang und so mussten sie die Ärmellänge mit Ärmelhaltern anpassen.

Manschetten


Die Manschette ist ein Stoffstreifen, der den Ärmelabschluss bildet. Sie umschließt das Handgelenk und ist mit Knöpfen verschließbar. Die heute gebräuchliche Sportmanschette ist eine Einfachmanschette mit angenähten Knöpfen. Es gibt zudem aber noch eine einfache und eine doppelte Manschette, die mit speziellen Manschettenknöpfen verschlossen werden muss. Diese Art der Manschetten werden eher im formellen Bereich getragen (Smoking, Frack oder bei Hochzeiten).

Binder


Ein weiteres sehr wichtiges Accessoire sind Lang- und Querbinder. Dazu zählen beispielsweise Krawatten, Krawattenschals (Plastron) und Krawattenschleifen (Fliege). Sie unterstreichen das Erscheinungsbild und sind meist farblich auf die restliche Oberbekleidung des Herren abgestimmt. Interessant ist die Wortherkunft der Krawatte – sie wird vom französische “á la cravate”, was soviel wie “nach kroatischer Art” bedeutet, abgeleitet,  da im 17. Jahrhundert die kroatischen Reiter schmale, leinerne Halstücher trugen. Die Bezeichnung ging später von der Person auf die Halsbinde über. Im österreichischen zeugt die mundartliche Form “Kråwåt”, “Kroate“, von kroatisch Hrvat, von derselben Herkunft.

Quellennachweise: wissen.deduden.de; gentleman-blog.de; nzz.ch

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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