Siegel Nostalgiker

Mit Siegel und Stempel

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Das Siegel (von lateinisch “sigillum” ‚Bildchen‘) ist seit jeher eine Form der Beglaubigung von Urkunden oder der Sicherstellung der Unversehrtheit von Gegenständen oder Behältnissen. Dabei wird ein “Siegelstempel”, oder siegelkundlich korrekt “Typars”, in eine weiche Masse gedrückt. Der Siegelstempel ist aus dem Slawischen auch unter dem Begriff “Petschaft” bekannt. Derlei Siegel wurden schon vor mehr als 5000 Jahren verwendet, damals diente noch Ton als Masse, später wurde Siegellack oder Siegelwachs dafür benutzt.

Früheste Stempelsiegel

Die ersten Stempelsiegel wurden im Vorderen Orient nachgewiesen. Sogenannte “Rollsiegel” wurden vermutlich von den Sumerern zwischen 3200 und 3100 vor Christi verwendet. Etwa zeitgleich tauchten zirka 1600 vor Christi im Alten Ägypten, sowie bei den Hethitern die ersten “Siegelringe” auf. Die damaligen Siegel wurden meist aus Steinzylindern aus Onyx, Lapislazuli und Achaten geformt. Im asiatischen Raum bestanden sie oft aus Hartholz, Knochen, Elfenbein, Marmor oder Speckstein.

Noch mehr als im Orient und später auch in Europa, wo das Siegel immer den Charakter einer Beglaubigung behalten hat, ist das Siegel in Ostasien bis heute der eindeutige Identitätsnachweis und gilt wie die eigenhändige Unterschrift. Die Bedeutung des Siegels ist dort so hoch, das ss sich eine eigene altertümliche Schrift erhalten hat, die Siegelschrift (“Zhuanshu”).

Das Metallsiegel

Im Heiligen Römischen Reich wurden vornehmlich Metallsiegel, die sogenannten “Bullen” verwendet. Sie waren meist aus Gold, Blei oder auch Silber gefertigt. Hauptsächlich Päpste oder byzantinische Kaiser verwendeten “Bullen” für besondere politische Dokumente.

Wachssiegel trugen in weiterer Folge auch im Mittelalter eine wichtige Rolle bei Urkunden und Rechtsgeschäften. Der Siegelstempel oder der Siegelring wurde dabei in weiches Wachs gedrückt und hinterließ dabei den Abdruck des Siegels. Dabei spielte die Farbe des Siegels eine wichtige Rolle. Rotes Wachs galt den Kaisern, Königen und Fürsten. Grünes Wachs war für Stifte und Klöster bestimmt, weißes Wachs für freie Reichsstädte. Patriarchen von Jerusalem und Großmeister des geistlichen Ritterordens benutzten schwarzes Wachs.

Vom Siegel zum Stempel

Das Siegel gilt unbestritten als Vorläufer des heute bekannten Stempels und ist fester Bestandteil im Warenverkehr und bei Beurkundungen. Die ersten Stempel für die postalische Verwendung gehen ins 15. Jahrhundert ins alte Venedig zurück. Flächendeckend verbreiteten sich Stempel in ganz Europa ab dem 17. Jahrhundert.

Davon abgeleitet entstanden im 19. Jahrhundert in Österreich die Stempelmarken. Ab ihrer Einführung im Kaiserreich Österreich im Jahr 1854 bis ins Jahr 2002 konnten damit zahlreiche Amtshandlungen österreichischer Behörden bezahlt werden.

Das Siegel des Nostalgikers

Nostalgiker-Siegel

Als Nostalgiker bin auch ich nun im Besitz eines eigenen Siegels. Diesen Umstand verdanke ich meinen ganz lieben Freunden Christoph und Lisa, die ihres Zeichens gerne durch die Welt reisen und ihre Erlebnisse in ihrem Blog love.life.travel festhalten (Facebook, Instagram). 

Direkt aus Venedig, aus dem kleinen Geschäft “Dolcetta Aldo Mobili D`Arte”, überraschten sie mich mit einem Siegelstempel aus venezianischem Holz, versehen mit einem bronzenen Bullen und der Inschrift “N” für Nostalgiker. 

Quellennachweise: stempel-dienst.de; wissen-digital.de

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Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

2 Kommentare

  1. Super Artikel – geht ja doch schon recht lange zurück die Geschichte des Siegels.
    Rot war also die perfekte Wahl für dich 🙂 der Bezug auf Venedig ist auch interessant, man lernt nie aus.

    Vielen lieben Dank auch für die Erwähnung und Verlinkung!
    Wir freuen uns auf morgen 🙂

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