Titelbild: Spatenstich für die Reichsautobahn in Österreich, Bildarchiv Austria

Immer wieder hören wir bis in die heutigen Tage von fabelhaften Erfindungen des NS-Regimes. Mit einem Fingerzeig wird auf diese und jene Gerätschaft gedeutet, die laut Mythos die Idee der Nazis gewesen sein soll. Aber was hat das NS-Regime denn nun wirklich erfunden und was nicht?

Der größte Irrtum – Die Autobahn


Eine der hartnäckigsten Geschichten ist die Erfindung der Autobahn, die ja bekanntlicherweise auf Adolf Hitler zurückzuführen ist. Das ist definitiv falsch! Die erste autobahnähnliche Strecke der Welt war die Avus in Berlin. Sie wurde 1921 eröffnet und war nur kostenpflichtig zu befahren. Daher wurde diese kurze Strecke meist nur als Test- oder Rennstrecke genutzt. Der Begriff “Autobahn” wurden übrigens erstmals von Robert Otzen im Jahre 1929 vorgeschlagen und ist bis heute gebräuchlich.

Die erste öffentliche Autobahn wurde am 6. August 1932 zwischen Köln und Bonn eröffnet. Initiiert wurde der Bau vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Auch der Bau weiterer Abschnitte wurde in den Jahren 1929 bis 1933 geplant, also noch lange vor der Machtergreifung des NS-Regimes. Adolf Hitler und seine Helfer haben die damaligen Pläne geschickt aufgegriffen und sie mittels Propaganda als die ihren verkauft. Das Teilstück, das Konrad Adenauer schon zuvor erbaut hatte, wurde von den Nazis sogar wieder zur Landstraße heruntergestuft, um den Schwindel besser vertuschen zu können.

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm


Auch ranken sich viele Mythen um das Arbeitsbeschaffungsprogramm, heute in Österreich als AMS bekannt. Auch das ist mit Sicherheit keine Errungenschaft des NS-Regimes. Ein solches Programm gab es nämlich schon zu Weimarer Zeiten. Es war dem letzten Reichskanzler der Republik, Kurt von Schleicher, schon ein Anliegen, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Die Nazis haben das Konzept einfach übernommen und sich damit gebrüstet.

Frauen und der Muttertag


Angeblich sollen es ja Frauen unter der Führung Hitlers besonders gut gehabt haben. Ihnen zu Ehren wurde sogar das “Mutterkreuz” eingeführt, und auch der “Muttertag” soll auf dem Mist der Nazis gewachsen sein. Wahr ist die Einführung des Mutterkreuzes, das 1938 von Adolf Hitler gestiftet wurde. Der Muttertag hingegen ist ein alter Hut, der schon 1860 von einer amerikanischen Frauenbewegung geprägt wurde. Etwa 1914 wurde dieser Ehrentag auch in Europa eingeführt. Erfunden haben den die Nazis ganz sicher nicht.

Laut Hitler sollen Frauen stolz darauf sein, die “arische Rasse” erhalten zu können; in Wirklichkeit betrachtete das NS-Regime Frauen eher als “Gebärmaschinen”, die den Fortbestand sicherten.

Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädchen


Adolf Hitler wird nachgesagt, besonders kinderlieb gewesen zu sein. Die Jugend lag ihm sehr am Herzen, sagt man. Wohl nur zu dem einen Zweck, diese für sich zu gewinnen, damit sie ihm später gehorsamst dienen. Für alle Zehnjährigen war es damals Pflicht, für Buben dem “Jungvolk” und für Mädchen dem “Jungmädlbund” beizutreten. Ab dem dreizehnten Lebensjahr führte dann kein Weg an der “Hitlerjugend” und dem “Bund Deutscher Mädchen” vorbei. Dort wurden die jungen Menschen vom NS-Staat konsequent zu gewaltbereiten Rassisten heran erzogen.

1.Mai & Nationalfeiertag


Das NS-Regime huldigte die Arbeiter, aber nur deswegen, um billige Arbeitskräfte für die Industrie zur Verfügung zu haben. Regelmäßig fanden daher riesige Aufmärsche zur Ehrung der Arbeiter statt. Der 1. Mai war bis dahin ein “internationaler Festtag der Arbeiter” und der NS-Staat erklärte ihn 1933 zum Nationalfeiertag. Wahr ist also, dass der heutige Nationalfeiertag nur durch die Einführung des NS-Regimes bis heute ein gesetzlicher Feiertag ist. Falsch ist jedoch die Annahme, dass Adolf Hitler das arbeitende Volk so schätzte. Es war ein Mittel zum Zweck, diese bei Laune zu halten, nicht mehr und nicht weniger.

Der Volkswagen


Der heute Volkswagen oder abgekürzt VW, geht auf Adolf Hitler zurück. Dieser wollte 1937 einen erschwinglichen Wagen für die breite Bevölkerung. Das Projekt “Volksauto” wurde damit gestartet und noch im selben Jahr wurde die “Volkswagen AG” gegründet. Die Massenmotorisierung wurde damit in Deutschland eingeläutet und hielt bis heute an.

Die Limonade – Fanta


Dieser Mythos kann bestätigt werden, denn Fanta ist eine kriegsbedingte Erfindung aus der NS-Zeit. Aufgrund der Verknappung von Rohstoffen während der Kriegsjahre, die für die Produktion von “Coca Cola” benötigt wurden,  entwickelte der deutsche Coca-Cola-Chefchemiker Schetelig 1940 das Getränk “Fanta”. Anfangs bestand Fanta aus Molke und Apfelresten, später aus verschiedenen Fruchtkonzentraten, die aus Italien bezogen wurden. Bis heute ist Fanta ein beliebtes Fruchtgetränk und kaum einer weiss über die Herkunft und Entstehung Bescheid.

Der Rückstrahler oder Tretstrahler


Eine Erfindung, die man ebenfalls der NS-Regierung zu verdanken hat. Genauer gesagt war der Inhaber des Patentes für einen “Rückstrahler an Pedalen” oder auch “Tretstrahler” die damalige SS. Heute sind unsere Fahrräder mit solchen Rückstrahlern an den Pedalen nur ausgestattet, weil  Heinrich Himmler, Chef der deutschen Polizei und auch für die Verkehrssicherheit zuständig, die Erfindung forciert hat und diese Rückstrahler zwangsweise für alle Fahrräder eingeführt hatte. Seit dem muss jedes Fahrrad damit ausgestattet werden.

Hitlers Sexpuppe


Der “Führer” selbst soll die Produktion von blonden blauäugigen Sexpuppen abgesegnet haben. Dieser hartnäckige Mythos hält sich schon über Jahre und wird immer wieder neu interpretiert. Das “Borghild-Projekt” habe, so die Legende, dem SS-Arzt Joachim Mrugowsky unterstanden. Angeblich wurde das Projekt 1942 wieder auf Eis gelegt. Sämtliche Beweise, also die Puppe und sämtliche Gipsabdrücke und Dokumente, sollen beim verheerenden Bombenangriff auf Dresden 1945 vernichtet worden sein.

Recherchen zufolge, die in den letzten Jahren von unzähligen Historikern und Journalisten durchgeführt worden waren, ist an diesem Mythos nichts Wahres dran. Viele der genannten Personen, die mit dem Projekt “Borghild” vertraut gewesen sein sollen, existieren gar nicht. Auch konnte man bis heute keinerlei Beweise sichern, dass diese Puppe je existiert hatl. Es handelt sich daher wohl um eine “Zeitungsente”.

Kriminalität und Gesetze


Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten soll es ja kaum Kriminalität gegeben haben. Deutschland war noch nie so sicher wie zur damaligen Zeit, heißt es. Nun gut, im allgemeinen könnte dies so gewesen sein, allerdings nur bis zum Kriegsausbruch, denn ab dann herrschte eine sehr hohe Kriminalität in weiten Teilen der Welt.

Adolf Hitler war ein Freund von Verboten, natürlich ihm selbst dienlich, um sich und seine Macht zu schützen. Damals wurde der Bevölkerung vorgeschrieben, was im Radio gehört werden durfte. Es wurde den Menschen vorgegeben, in welchen Geschäften sie ihre Einkäufe tätigen durften und in welchen es verboten war. Das NS-Regime entwaffnete auch breite Teile der Bevölkerung, um das Risiko eines möglichen Widerstandes zu minimieren. Der “Führer” selbst war zudem ein Feind des Rauchens, und so erließ er Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmittel. Viele Gesetze aus der damaligen Zeit sind bis heute unverändert geblieben.

Daraus kann man nun schlussfolgern: Die Kriminalität könnte daher wirklich geringer gewesen sein, aber nur aus der Angst der Bevölkerung heraus. Verstöße wurden damals hart bestraft und mitunter landete man sogar in einem Lager für sogenannte “Volksschädlinge”, umgangssprachlich auch als Konzentrations- oder Arbeitslager bekannt. Nun, da überlegte man wohl mehrmals, bevor man eine mögliche Straftat beging. Ob allerdings Angst das richtige Mittel ist, um Menschen frommer zu machen, bezweifeln wir an dieser Stelle. Vielleicht ist damit auch die heutige Angst vor Verboten und erzwungenen Pflichten verbunden. Denn jedes Verbot schränkt die menschliche Freiheit ein und zudem passen Verbote und Demokratie nicht unbedingt gut zusammen.

Anmerkung des Autors:

Dieser Artikel zeigt einmal mehr, dass Nostalgie nicht immer nur mit Harmonie und Glückseligkeit verbunden ist. Aber auch diesen Dingen müssen wir ins Auge sehen und uns damit befassen. Es ist ein Stück unserer Geschichte und somit auch ein Teil von uns. Irrtümer müssen aufgedeckt werden und über Tatsachen muss aufgeklärt werden, denn nur so schaffen wir es, über diese Dinge hinwegzukommen. Solange dies nicht geschehen ist, können wir keinen offenen Dialog darüber führen und es wird nicht differenziert und weiterhin in “Schubladen” gedacht.

Quellennachweise: berlinstory.de; welt.de; dw.com; watson.ch; 
Rubriken:Gesellschaft

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