Trauriges Mädchen

Zwanzigzwanzig – ein Resümee

Nun haben wir es geschafft, das verflixte Jahr 2020 ist vorüber. Es gab wohl kaum ein anderes Jahr, bei dem man sich so auf dessen Ende gefreut hat. Obschon man nicht einmal genauer weiss, ob denn das nun folgende Jahr besser sein wird.  Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 

Himmelhoch jauchzend

Es fing ja gut an, voller nostalgischer Vorfreude auf die neuen wilden Zwanzigerjahre, da könnte man all diesen Flair und Charme dieses geschichtsträchtigen vergangenen Jahrzehnts wieder aufleben lassen. Frivole Feste, berauschende Abende und musikalische Exzesse bis in die frühen Morgenstunden. Dachte man! Schon nach drei Monaten kam die böse Überraschung – lautlos und hinterhältig. “Griaß Eich, i bins, Fräulein Corona!” Nau, mehr håm´ma nimma braucht!

Von nun an ging es bergab. Man ordnete im März die erste totale Schließung an – rien ne va plus! – nichts geht mehr. Immerhin folgte nach dieser schockierenden Veränderung ein halbwegs normaler Sommer. Freilich konnte man nicht alles wie gewohnt tun, aber die Einschränkungen waren überschaubar und akzeptabel. Auch Feste fanden statt, so beispielsweise der “#2 Rock´n´Day & US Car Day” in Pillichsdorf. Das liegt zwar nur knapp neben Tripsdrill, aber Hauptsache man konnte feiern. Und im Herbst folgte dann noch das “Return 2 Back” in Graz

Und während wir halbwegs ausgelassen feierten und unsere kurzen bescheidenen Urlaube genossen, schlief die Regierung laut schnarchend. Denn gegen Ende des Herbstes zeichnete sich der zweite Besuch der “schiachen Hex” Corona ab. Wohlwissend seit März freilich. Getan hamma dagegen nix – Überraschung! Das verhält sich ähnlich wie mit dem alljährlichen Schnee in Wien. In Wien kommt im Winter der Schnee ausschließlich überraschend daher. 

Dann kam das Oaschloch

Wohl ein Komplize “Fräulein Coronas” dürfte “Herr Ǫaschloch” gewesen sein, welcher just einige Stunden vor dem Beginn einer weiteren totalen Schließung wild im ersten Wiener Gemeindebezirk um sich schoss. Und das im Namen Allahs, um sich wohl vor dem Lockdown noch die Freude an 72 Jungfrauen zu erhaschen. Die ganze Welt trauerte um vier Todesopfer und 23 verletzte Personen. Diese niedrige Bilanz war unserer Polizei zu verdanken, die “Herrn Ǫaschloch” in nur neun Minuten neutralisiert hatte. 

Es ging weiter bergab. Keine Gastronomie, keine Veranstaltungen, keine Vergnügungsbetriebe, kein öffentlicher Sport. Finster! Und das blieb dann viele Wochen so, hinein bis in die Adventzeit, zwischendurch musste auch der Handel seine Tore schließen. Corona, Corona, CORONAAAA! In jedem Fernsehgerät, in allen Radiosendern, an jeder Ecke wurden hysterisch Fallzahlen und Todesopfer propagiert. Unsere Regierung avancierte  inzwischen zu echten Filmstars, sie waren jedenfalls in diesen Wochen öfter auf der Mattscheibe zu sehen als alle Schauspieler zusammen. 

Wir sind ja eindeutig dafür, dass diese Herrschaften für den Oscar® nominiert werden. Unser Bundeskanzler für “Bester Kurzfilm”, Herr Anschober für “Bestes Make-Up und beste Frisuren” und unser fescher Innenminister für “Bestes Drehbuch nach einer Vorlage”. 

Auf ein Neues

Ja, wir hatten uns auch einen anderen Jahresrückblick vorgestellt. Wir können es uns aber nicht aussuchen. Vielleicht ist es ein Trost, dass auch der Jahresrückblick des Jahres 1920 nicht sonderlich besser ausfiel. Der Krieg war vorüber, die Armut und Zerstörung groß, zudem wütete bis in den Sommer auch noch die Spanische Grippe.

Es bleibt uns also nur, positiv in die Zukunft zu blicken. Mit aller Kraft, festen Schrittes und erhobenen Hauptes vorwärts zu marschieren und all diese schlechten Erinnerungen an den Beginn dieses Jahrzehnts hinter sich zu lassen. 

In diesem Sinne wünschen wir all unseren Leserinnen und Lesern ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr. Herzlichen Dank für Ihre Treue!

Anmerkung: “Fräulein Corona” und “schiache Hex” beziehen sich auf das Virus SARS-CoV-2, auch Coronavirus genannt. “Ǫaschloch” und “Herr Ǫaschloch” beziehen sich auf den Attentäter von Wien. Kujtim Fejzulai verübte am 2. November 2020 einen Terroranschlag in der Inneren Stadt. [#schleichdiduoaschloch] 

Andrew Grimes

Andrew Grimes wurde in den siebziger Jahren in der Bundeshauptstadt Wien geboren. Schon in seiner Jugendzeit lauschte er gerne alten Musikstücken, interessierte sich für geschichtliche Ereignisse und erfreute sich am historischen automobilen Rennsport. Etwa 2015 begann sich seine Leidenschaft auch auf seine Lebensweise auszuwirken. Langsam änderten sich Interessen sowie Kleidungsstil, auch besuchte Andrew Grimes immer häufiger einschlägige Veranstaltungen der sogenannten Vintage-Szene.

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