Der Flaneur (aus dem französischen “flaner” [umherstreifen, umherschlendern]), ist ein Mensch, der ohne jegliches Ziel umherschweift – er flaniert. Das Wort “Flâneur” erwähnte Charles Baudelaire erstmals im 17. Jahrhundert in einem seiner literarischen Werke. Viele andere Schriftsteller feierten im 19. Jahrhundert ebenfalls die Kunst des Flanierens in ihren Schriftstücken. Ein weibliches Äquivalent zum Flaneur gab es zu jener Zeit noch nicht. Seinerzeit waren Damen stets in Begleitung unterwegs und selbst wenn eine Dame alleine herumspaziert wäre, wäre sie wohl nicht lange genug alleine gewesen, um in ihren Gedanken zu versinken – wie beim Flanieren meist üblich. Ein weiterer erwähnenswerter Punkt wäre wohl, dass zu damaligen Zeiten nur Prostituierte alleine umherstreiften, eben um Freier anzulocken. 

In jüngerer Zeit wurde die “Flaneuse” erstmals von der Schriftstellerin Lauren Elkin in ihrem Buch “Flaneuse: Women Walk the City” erwähnt. Im deutschen Sprachgebrauch hat man sich auf das Wort “Flaneurin” geeinigt. Heute können auch Frauen bedenkenlos die Stadt im Flanieren erobern – was lange Zeit eben nur Männern vorbehalten war.

Die Umgebung in sich aufnehmen


Ein Flaneur hat mehr zu bieten, als nur durch die Straßen zu streifen. Indem der Flaneur bewusst den Endpunkt eines Ziels meidet, öffnet er sich für alles, was ihm begegnet.

Andre Breton schrieb in seinem 1928 erschienenen Roman Nadja: ”Der Flaneur ist also auf der Suche nach etwas, während er wandert, weiß aber nicht, was es ist, bis er es findet. Dies ist nicht anders, als wenn man im Urlaub ist und auf der Suche nach einer Wechselstube einen teuren bestickten Teppich kauft.”

So umgeht der Flaneur alle Sehenswürdigkeiten und Denkmäler und sucht nach seinen eigenen archäologischen Sehenswürdigkeiten, zu denen er eines Tages zurückkehren kann oder auch nicht. Der echte Flaneur sucht auch keine Freundschaften, vielmehr ist er zufrieden damit, vorbeikommende Bekanntschaften mit Menschen zu schließen, die er nie wieder treffen wird. 

Der Flaneur des 20. Jahrhunderts


Der ursprüngliche Flaneur will sehen, aber auch gesehen werden. Er verliert sich dabei in seinen Gedanken und nimmt die Umgebung in sich auf. Etwas, das in der heutigen Zeit zunehmend schwieriger wird – zu viel Ablenkung, zu viele gesellschaftliche Angewohnheiten, die es dem Flaneur fast unmöglich machen völlig abzuschalten. Der Flaneur des 20. Jahrhunderts, der vorwiegend versucht in der Masse der Menschen unterzugehen, um so das soziale Leben beobachten zu können, unterscheidet sich daher vom Flaneur des 19. Jahrhunderts. Dieser stellte sich durch das Flanieren und der damit verbundenen sehr langsamen Gangart, nämlich auch gerne zur Schau. 

Es ist also ein schwieriges Unterfangen in der heutigen Zeit völlig ziel- und gedankenlos die Umgebung zu durchstreifen. Probieren Sie es doch selbst einmal aus – es verspricht die absolute Entschleunigung und ein wahrhaft amüsantes Erlebnis zu werden. Wenn Sie dies nicht alleine tun wollen, dann empfehlen wir Ihnen unseren nachfolgenden Veranstaltungshinweis.

Gentlemen, ladies, dandies, chaps, fops, boulevardiers and flâneurs


Am 14. Juli findet in London der “The Grand Flaneur Walk” statt. Treffpunkt ist mittags bei der Statue von “Beau Brummell”. Es gibt kein Ziel und keine Vorgaben, der Spaziergang kann fünf Minuten, fünf Stunden oder fünf Tage dauern und endet entweder in der Jermyn Street oder in den Straßen von Paris.

Zeitgleich findet auch “Der große Spaziergang der Flaneure” in Düsseldorf statt, Treffpunkt beim Denkmal “Vater Rhein und seine Töchter”, ebenfalls mittags. Und auch in Los Angeles wird ein eigener “Grand Flaneur Walk” veranstaltet.

Quellennachweise: duden.de; thechap.co.uk

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